# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S76 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 76 — wohin, wenn es jetzt als falſch dargeſtellt werde, daß die Wahl intuitu fidei geſchehe. Ja, wenn das Wahl wäre, was nach Matth. 25. geſchieht, dann wären wir einig; denn das geſchieht intuitu fidei, aber das iſt eben keine Wahl. Sind wir nicht einig über das, was Wahl iſt, wie lange können wir dann hier ſitzen?! Das aber, meine ich doch und gebe es im freundlichſten Sinn Herrn Paſtor Muus zu bedenken, das ſollte ihm doch die Augen öffnen, daß, wenn das Wahl wäre, wovon er ſpricht und wofür er ſich auf Matth. 25. beruft, wir dann eine doppelte Wahl hätten. Denn ebenſo gewiß als es iſt, daß da gerichtet wird intuitu fidei, ſo ge⸗ wiß iſt es auch, daß da gerichtet wird intuitu incredulitatis. Schrift und Väter aber haben eine doppelte Wahl immer als falſch hingeſtellt. Be⸗ hauptet er aber: ‚Es iſt doch eine doppelte Wahl‘, ſo iſt das eben nicht Lehre der Schrift und der Kirche. — Ferner: Von der Wahl, von welcher in dieſem Berichte die Rede iſt, ſagen wir, daß ſie ein ‚ewiges Geheimnis iſt‘ und, daß man dies Geheimnis durch das ‚intuitu fidei‘ habe erklären wollen. Aber wie ſollten wir ſagen wollen, das Geheimnis der Wahllehre des Herrn Paſtor Muus hätten die Väter ſo erklären wollen! Nein, wir reden von einem Geheimnis, das eine ganz andere Sache iſt. Herr Paſtor Muus, ich weiß es wohl, wird ſagen: ‚Es iſt doch auch ein Geheim⸗ nis in dem, was ich Wahl nenne.‘ Welches? ‚Uns iſt nicht bekannt, welche Perſonen zur rechten, und welche zur linken Seite ſtehen werden.‘ Aber dies Geheimnis haben die Kirchenlehrer nicht zu erklären geſucht. — Ein deutlicher Beweis, daß wenn wir und Herr Paſtor Muus von Wahl reden, wir von einer ganz verſchiedenen Sache reden. Und können wir uns nicht darüber verſtändigen, ſo können wir bis zum jüngſten Tag uns zu erklären verſuchen.“ Ein Glied der Synodalkonferenz fragte hierauf an, ob es nicht für den Fall, daß Herr Paſtor Muus weitere Lehrverhandlungen wünſche, zweckmäßig wäre, wenn derſelbe ſich äußerte, ob das ſein Begehr ſei. Da heute höchſtens noch eine halbe Stunde Zeit für Lehrverhandlungen ſei, ſo könne man dann ja wenigſtens eine Zeit dafür beſtimmen. Im Anſchluß an Herrn Paſtor Muus' letzte Rede entgegnete dann noch ein anderer Delegat: „Nur zwei ganz kurze Bemerkungen. Erſtlich, Herr Paſtor Muus ſagte, daß ja freilich die Dogmatiker ſich ſehr verſchieden ausgeſprochen hätten über den Sinn der Worte: ‚intuitu fidei‘; aber in der Lehre ſeien ſie doch einig geweſen. Das iſt ein Widerſpruch in ſich ſelbſt. Haben ſie das verſchieden ausgelegt, ſo haben ſie eben verſchieden gelehrt. Zum andern ſagte Herr Paſtor Muus, die Dogmatiker hätten doch alle erklärt, ſie trügen die Lehre der Konkordienformel von der Wahl vor. Das iſt nicht wahr. Sie haben im Gegenteil allermeiſt geſagt, ſie redeten nicht von der Gnadenwahl, von welcher die ſymboliſchen Bücher redeten. Daher Herr Prof. Schmidt auch immer hinzuſetzt: Die Wahl ‚im dogmatiſchen