# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S75 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 75 — liche zur Hölle beſtimmt. Und das wird dargeſtellt als ein entſetzlich Ding. Das iſt doch wunderbar! Man muß doch hier in der lutheriſchen Kirche das Recht haben, die Schrift anzuführen und zu ſagen: So und ſo ſteht's in der Schrift! — wenn es ſo daſteht. Man müßte ja dann die⸗ ſelben Anklagen gegen die Schrift auch aufnehmen, als ſei ſie auf einer ſchiefen Bahn und lehre nicht recht das Heil aus der Gnade. Nein! ſolche Argumente machen keinen Eindruck auf Menſchen, die da etwas denken. Die Schrift muß doch feſtſtehen. — Wir wiſſen ſehr wohl, daß wir allein unſer Heil bekommen aus Gnaden um Chriſti willen. Aber wir wiſſen auch, daß die Werke da ſind als Zeugen deſſen, was in unſerem Herzen iſt, wie die Schrift ſagt: Zeige mir deinen Glauben aus deinen Werken; — und daß die Werke nur in Betracht kommen als Zeugnis vom Glauben oder Unglauben. Aber die Schrift braucht doch einen ſolchen Ausdruck, daß Werke die Urſache ſind, warum Gott den einen hierhin und den andern da⸗ hin ſchicke. Und in dieſer Bedeutung muß ein jeder Chriſt das Recht haben, dieſe Worte zu gebrauchen. Er darf ſich nicht fürchten, wenn er mit den Worten und im Sinn der Schrift redet. Vielleicht ſollte ich nichts von dieſer Sache hier reden. Aber es geſchieht, damit doch etwas über die Hauptſache geredet werde, nämlich über die Lehre göttlichen Wortes. Vielleicht ſollte ich mich nicht hierauf eingelaſſen haben.“ Hierauf entgegnete ein norwegiſcher Delegat: „Ich bin ſehr froh, daß es doch endlich einmal eine Gelegenheit gegeben hat, wenn auch nur kurz, über dieſe Sache hier in der Synodalkonferenz zu verhandeln. Aber das iſt mir von vornherein klar: wir können mit Herrn Paſtor Muus die ganze Woche und länger reden ohne Erfolg, wenn wir nicht zu allererſt darüber einig werden, ob wir von derſelben Sache reden oder nicht. Es iſt das offenbar hier nicht der Fall. Die Begriffe von Gnadenwahl, aus denen heraus Herr Paſtor Muus räſonniert, ſind andere als die, von wel⸗ chen wir ausgehen; und der ‚Bericht‘, über den wir verhandeln, wird darum auch von Herrn Paſtor Muus ganz anders geleſen, als er gemeint und geſchrieben iſt. — Herr Paſtor Muus hat ſich auf die Schrift berufen und zwar auf Matth. 25. Darin meint er nun einen Beweis zu finden — wofür? — für ſeine Behauptung: eine Wahl ‚intuitu fidei‘ ſei nicht gegen Gottes Wort. Wohlan, laſſen Sie uns das beſehen! Herr Paſtor Muus muß notwendigerweiſe, wenn er nicht ganz unſinnig geredet hat, ſo räſon⸗ nieren: ‚Am jüngſten Tag wird intuitu fidei gerichtet werden. Was in der Zeit geſchieht, iſt in Gottes Rat von Ewigkeit geweſen. Ergo iſt ein ſolches Urteil, das am jüngſten Tag geſchehen wird, von Ewigkeit geſchehen in Gottes Rat.‘ Dies iſt's, nach Herrn Paſtor Muus, was man mit dem ‚mißverſtändlichen‘ Ausdruck ‚Gnadenwahl‘ bezeichnet. — Wir ſprechen hier von einer Wahl im Sinne der Schrift und der Kirche; Herr Paſtor Muus, ſpricht von etwas, das er ‚Wahl‘ nennt, was aber Schrift und Be⸗ kenntnis meines Wiſſens nie ‚Wahl‘ nennen. Er meint, er wiſſe nicht