# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S236 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 236 Von der Versetzung der Prediger. dem, was zur größeren Ehre Gottes und Frucht für die Kirche dient, nach recht geschätztem Verhältnisse des Arbeitsfeldes und der Kräfte. Denn was ist das für ein Verhältniß, wenn ein großes Licht auf die Erleuchtung eines kleinen Zimmers beschränkt ist? oder Jonas auf eine kleine Stadt Judäa's, der zur Erleuchtung Niniveh's gleichsam geboren und geschaffen war? Wenn es sich so mit der Vocation verhält, so muß man sie ohne Zweifel annehmen und Gott nicht davon laufen, damit er nicht im Zorn sein Angesicht einem zukehre, was den flüchtigen Jonas betroffen hat. So gehorchte der Heidenapostel, als er von einem Engel, der macedonische Sprache, Manier, Haltung und Kleidung hatte, zu Hülfe gerufen wurde, damit Paulus von Tarsus das Reich, welches Paulus Aemilius durch Waffengewalt dem römischen Joche unterworfen hatte, durch das Wort der Herrschaft Christi unterwerfe. So besucht derselbe im Geiste gebundene Apostel Jerusalem mit dem gesteigertsten und heftigsten innern Kampfe. Wer den Löwen draußen fürchtet, verletzt schwer sein Gewissen, Sprüche 22, 13., wo Luther in der Randglosse sagt: „Das sind Prediger, Regenten, Gesind, die den Fuchs nicht beißen, gehen nicht durch Dicke und Dünne.“ 20. Wir haben noch das andere Extrem hinzuzufügen: denn es sündigen nicht blos durch Zuwenig diejenigen, welche die Versetzung der Prediger des Worts ganz mißbilligen, sondern auch im Gegentheil durch Zuviel diejenigen, welche hin- und herlaufen und aus Ueberdruß an ihrem Amte nach einem andern trachten, und aus Unzufriedenheit mit ihrer Stelle, diesem Spiegel des Hochmuths, eine höhere zu erlangen suchen, nur von Ehrgeiz oder Habsucht getrieben, ohne die Noth der Kirche und den Zwang des Berufs zu erwarten. Daraus folgen denn auch meistens geringe Resultate, und ihren Gemeinden erwächst mehr Nachtheil als Vortheil daraus. Dann sollen auch diejenigen sich dies gesagt sein lassen, welche schneller wechseln, als sie gewechselt werden, indem sie auf den Tod anderer warten, ja sogar mit Anrechten sich versorgen, uneingedenk jenes Ausspruchs Cato's, den sie vielleicht einst in der Schule gelernt haben: „Auf eines andern Tod setz' deine Hoffnung nicht.“ Denn das heißt sich selbst berufen und aus Ehrgeiz die Würdigkeit zu einer höhern Stufe feil bieten. So that Aaron nicht, welcher sich die Ehre nicht raubte, sondern sie durch Beruf empfing, Hebr. 5., so thaten in früheren Zeiten treue Knechte Gottes nicht, welche wider ihren Willen zum Lehramt oder zu höheren Würden genöthigt wurden. 21. Wer daher sein Gewissen in Acht nehmen will, der lasse sich von einer mittelmäßigen Stelle wegen einer Schaufel voll Gerste oder einer Handvoll Ehre nicht nach einer vermeintlich größeren versetzen, sondern er forsche nur fleißig und befolge in dieser schwierigen Angelegenheit, was die apostolische Praxis befiehlt und der Nutzen der Kirche und das Heil der Zuhörer zuläßt. Wer gottselig und redlich ist, wird seine Gemeinde aufrichtig lieben, und sie, so lange er kann, versorgen, und nicht verlassen, außer wenn die Vocation eine nöthigende Kraft hat.