# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 73 — nen Sie Ihre Stellung nicht behalten. Daraus ſollten Sie ſehen, daß Sie gewiß auf einer falſchen Bahn ſind, wenn Sie genötigt ſind, gegen das reine Gnadenevangelium zu polemiſieren. Bringen Sie doch lieber die Werke mit herein, um nur zu den beiden Urſachen der Gnadenwahl noch eine dritte mit herzuſetzen! Ich weiß wohl, Sie werden ſchließlich ſagen: O nein! — Sie haben's aber geſagt. Sollen wir das ſo geduldig hinnehmen, daß Sie unſerer lutheriſchen Kirche ſo nach ihrer Krone greifen? Das Be⸗ kenntnis von der Gnade iſt aber ihre Krone. Mit der Lehre von der freien Gnade hat ſie ſiegreich gefochten wider das Pabſttum. Durch ſie iſt die lutheriſche Kirche hier in Amerika wieder zum Leben gekommen. Und kaum hat uns Gott dieſe Gnade geſchenkt, ſo bekommen wir ein ganzes Heer von Gegnern, die behaupten: Nein, der Menſch muß auch etwas dazu thun! Wenn die Schrift fort und fort vom ‚Wohlgefallen‘ Gottes redet, als dem wahren Grund der Erwählung, ſo wird im ‚Alten und Neuen‘ immerfort ge⸗ ſpottet. Schmidt thut's als gegen uns, aber er thut's gegen den Heiligen Geiſt. Da ſteht's ja, es iſt Gottes Wohlgefallen, Gnade, Barmherzigkeit! Nein! ſagt man, das iſt neumiſſouriſch; im Menſchen, im Menſchen, da muß man etwas ſuchen! Wohin werden die Leute noch geraten? Sie mögen ſich mit noch ſo ſchönem Schein ſchmücken, uns iſt's kein ſchöner Schein. Wir ſehen durch dieſe dünne Decke den böſen Feind, der uns die Gnade durch Chriſtum rauben will.“ Hierauf hatte Herr Paſtor Muus folgendes zu bemerken: „Es iſt ſehr ſchlimm, daß man in die Lage gekommen iſt, daß man von ſo vielen Dingen mit einem Mal reden ſoll. Es iſt ſehr ſchlimm. Wenn man einen Punkt für ſich behandeln könnte, ſo wäre es viel beſſer. Aber man muß die Umſtände nehmen, wie ſie ſind. — Wenn Dr. Walther nochmals wiederholt, daß ich zu beweiſen geſucht habe, daß er ſich irrte, weil die Dogmatiker anders gelehrt hatten, wundere ich mich. Warum thut Dr. Walther das? Er hat keinen Grund. Denn das erſte Mal habe ich ihn darauf aufmerkſam gemacht, das es nicht ſo iſt. Warum thut er es ſo wieder? Ich würde dieſes nicht geſagt haben, wenn nicht andere Geſchichten da früher geweſen wären. Aber es iſt wunderbar, daß Dr. Walther ohne irgend welchen Grund das will einbleuen, daß z. B. ich hier wolle beweiſen die Wahrheit aus den Dogmatikern. Es iſt kein Wort von mir in dem Sinn gefallen. Das iſt doch ſchlimm, wenn man in ſolchen Sachen abſolut ſeinen Gegnern Gründe beilegen will, die ſie ſelbſt von Herzen verwerfen. Damit verwirft man nur ſich ſelbſt und man kriegt keine Wahrheit heraus. Nun, Herr Prof. Walther ſagt: Es giebt mehrere Auslegungen von Dog⸗ matikern über das ‚intuitu fidei‘. Ja, das iſt gewißlich wahr. Ein Dog⸗ matiker ſagt z. B.: der Glaube iſt Urſache der Wahl. Der andere ſagt: Der Glaube iſt nicht Urſache der Wahl. Wörtlich ſagen ſie das Gegen⸗ ſätzliche. Und ſo in vielen anderen Beziehungen. Aber was ich von den Dogmatikern geſehen habe, das hat in mir bewirkt, daß ich dieſelbe Lehre