# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 72 — auch einen faſt dreihundertjährigen Konſens. Faſt alle haben vom Sab⸗ bath falſch gelehrt, bis auf ganz wenige. Ebenſo in Bezug auf die Gewalt der weltlichen Obrigkeit in der Kirche irren ſie alle. Da müßte nun natür⸗ lich Herr Paſtor Muus verlangen, wir müßten dieſelbe Lehre von der Obrigkeit haben, daß ſie das Recht beſitze, die Ketzer aufzuſuchen und zu be⸗ ſtrafen, wenigſtens mit Gefängnis und Landesverweiſung. Wenn dieſe Lehre recht iſt, ſo muß auch der Kongreß ein ſolches Recht haben. Sie ſagen, ich ſei ganz fürchterlich gegen Sie losgegangen. Mein teuerſter Herr Paſtor! Sie können ſich wirklich nicht beklagen. Wie haben Sie uns in dieſer Verſammlung behandelt! Sie haben es darauf angelegt, uns, wo Sie nur Gelegenheit fanden, zu reizen, zu ſchelten und ſo ſcharf zu ver⸗ urteilen, daß es kein Wunder geweſen wäre, wir wären aufgeſprungen und hätten geſagt: Nein, das können wir nicht mehr anhören. Wo Sie es nur anbringen konnten, ſagten Sie, wir ſeien Calviniſten. Wir haben das alles geduldig über uns ergehen laſſen, und wenn wir nun ein klein wenig auch unſere Stimme gegen Sie erheben, ſo iſt das in ihren Augen ſehr un⸗ chriſtlich. — Und ich bitte Sie um Gottes willen, wie können Sie die Dog⸗ matiker neben das Bekenntnis ſtellen? Wo geraten Sie in aller Welt hin? Iſt das Bekenntnis gleich einer Dogmatik? Das Bekenntnis, welches un⸗ ſere evangeliſch⸗lutheriſche Kirche aufgeſtellt hat vor der ganzen Chriſtenheit mit der Erklärung: Das iſt unſer Glaube; darauf wollen wir leben, dafür wollen wir leiden und ſterben? Und Sie ſagen: Ja, Väter! Väter! ſind die Bekenntniſſe nicht auch von den Vätern? Nein, das iſt kein Bekenntnis nur dieſer Väter; die waren nur geringe Werkzeuge, das auszuſprechen, was mit lebendiger, feuriger Schrift in den Herzen aller wahren Lutheraner geſchrieben ſtand. Sie haben das mit Tinte geſchrieben, was die Lutheraner in heiliger, göttlicher Glaubensfreudigkeit oft mit Vergießung ihres Blutes bekannt hatten. Jene Äußerung ſollten Sie wirklich widerrufen, Herr Paſtor Muus. Wenn das ſoll in unſerer Synodalkonferenz gelten, daß die Be⸗ kenntniſſe auch nichts anderes ſind, als die Dogmatiker, ſo iſt es in der That ein Spott und Hohn, wenn wir in unſerer Konſtitution ſagen: Wir gründen uns auf das Bekenntnis. Wenn wir das ſo hingehen laſſen, wird jedermann ſagen: Wie man gute alte Bücher mit einer gewiſſen Pietät betrachtet, ſo und nicht anders ſeht ihr die Symbole an. Iſt das Bekenntnistreue? Und hernach haben Sie zu meinem Erſtaunen ſogar geſagt, als wir von den Ur⸗ ſachen der Wahl redeten: Ja, auch die Werke ſeien ja eine Urſache, die Gott bewege, einen Menſchen zum Himmel oder zur Hölle zu beſtimmen. Wohin werden Sie noch geraten! Solche Ausdrücke, welche Sie, wenn Sie ruhig zuſehen, ſelbſt verwerfen werden, ſind ein Beweis, wohin die Oppoſition Sie bereits getrieben hat. Sie werden dabei nicht ſtehen bleiben. Um uns Altlutheraner zu bekämpfen und zu beſiegen, werden Sie immer mehr die Lehre von der Gnade verlaſſen und dagegen auftreten müſſen, daß der Menſch gar nichts thun kann, daß alles ewiges Erbarmen iſt. Sonſt kön⸗