# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 71 — ſo verſtanden. Vielleicht irre ich mich. Aber ich habe Bekenntnis und Kate⸗ chismus nicht in der Bibel gefunden; es müßte denn ein neuer Text ent⸗ deckt worden ſein auf dem Sinai oder anderswo. Es iſt wenigſtens meine Meinung geweſen, daß das Bekenntnis von den Vätern aufgeſtellt iſt. — Wenn übrigens die Rede iſt von dem Guten im Menſchen als Urſache der ſogenannten Gnadenwahl, ſo kommt es auf den Audruck an, was man damit verſteht. Daß etwas Gutes im Menſchen Grund und Urſache der Wahl iſt, das iſt Gottes ‚voluntas consequens‘ (der nachfolgende Wille Gottes), das ihn danach bewegt, dieſe Diskretion zu machen unter den Men⸗ ſchen. Das lehren alle Dogmatiker, die ich geſehen habe. Und die heilige Schrift lehrt es auch, und ſetzt auch die Werke mit als Urſache, warum Gott unterſcheidet unter den Menſchen, und etliche Menſchen beſtimmt zum Himmel und etliche zur Hölle. Das iſt Schriftlehre. Wenn man von der Gnadenwahl und allgemeinen Heilsrat lehrt, muß man beide unterſcheiden. Wenn man von der Heilsordnung redet, ſo iſt's gewißlich wahr, daß nichts Gutes im Menſchen iſt als vielleicht die Sünde, die Gott bewogen hat, eine Heilsordnung für die Menſchen zu verordnen. Darin ſind, ſoviel ich weiß, die lutheriſchen Lehrer einig. — Nun, wir ſind hineingeworfen in dieſen Streit ohne Theſen oder Vorbereitung. Ich denke nicht, daß das der Weg iſt, auf welchem man am beſten zu einer Löſung dieſer Frage kommen wird, die dem Gewiſſen genügen könnte. Denn die Gewiſſen, wenn ſie gebunden ſind, müſſen durch Gottes Wort gelöſt werden. Aber weil nun dieſe Frage aufgekommen iſt, wollte ich mein geringes Zeugnis ablegen nach meinem geringen Vermögen.“ Hierauf erwiderte ein Konferenzglied folgendes: „Nur einige wenige Worte. Paſtor Muus weiſt es zwar von ſich ab, daß er die Dog⸗ matiker zur Quelle der Wahrheit machen wolle und ihre Dogmatiken zum Prüfſtein. Aber ſeine ganze Beweisführung ſpricht gegen ihn. Warum fängt er denn nicht mit dem Worte Gottes und dem Bekenntnis an, und ſucht daraus zu erweiſen, daß wir im Irrtum ſind? Nein, er ſucht uns nachzuweiſen, daß wir ſicherlich irren, denn wir hätten den dreihundert⸗ jährigen Konſenſus der Väter gegen uns. Selbſt wenn es wahr wäre, wie es nicht iſt, wäre es ganz unlutheriſch, unſere Gewiſſen damit fangen zu wollen, daß man uns zuruft: Väter! Väter! Wenn ſie auch alle das ‚in- tuitu fidei‘ haben im 17ten Jahrhundert, ſo erklärt es der eine ſo, der andere ſo. Es iſt, ſo zu ſagen, einige Zeit nach dem Erſcheinen der Kon⸗ kordienformel Mode geworden, das Wort zu gebrauchen. Es wurde ſogar von jedem erwartet, wenn er für rechtgläubig gelten ſollte, daß er den Aus⸗ druck hatte. Aber was hilft's Herrn Paſtor Muus, daß ſie alle das Wort gebrauchen? Eine ganze Menge Auslegungen gibt's davon. Doch, wie geſagt, wir laſſen uns nicht durch die Dogmatiker fangen; die binden un⸗ ſere Gewiſſen hier ebenſowenig, als in der Lehre vom Sabbath und von der Gewalt der weltlichen Obrigkeit in kirchlichen Dingen. Da hat man