# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 70 — Gutem im Menſchen machen, das Gott bewogen habe, den Menſchen zu er⸗ wählen. Sie bedienen ſich nun freilich der Ausflucht, wenn die Konkordien⸗ formel etwas Gutes im Menſchen als eine Urſache der Wahl verwerfe, da ſei bloß gemeint, was der Menſch aus natürlichen Kräften thun könne. Es iſt dies aber einfach nicht wahr. Jedermann weiß, daß nach der Konkordien⸗ formel, z. B. in dem Artikel von der Rechtfertigung, weder die guten Werke noch der von Gott gewirkte Glaube Gott zur Vergebung der Sünden be⸗ wegt, alſo ebenſowenig zur Wahl. Hierauf ſprach Herr Paſtor Muus alſo: „Dr. Walther ſpricht ge⸗ waltiglich wider das Verfahren, daß man die Wahrheit aus den Dogma⸗ tikern beweiſen wolle, und das iſt ja auch ſehr ſchön. Es iſt aber ein wenig unangenehm, daß man ihn ſo ſprechen hört in dieſer Verbindung. Denn es ſcheint, daß er den Schein hervorbringen will, als ob ich geſagt hätte, daß ich die Wahrheit aus den Dogmatikern wollte beweiſen. Ich habe hoffentlich nichts dergleichen geſagt. Ich fragte nur, ob man wirklich meinte oder behaupten wollte, daß die Dogmatiker mit ihrem ‚intuitu fidei‘ auch ſo geredet hätten, daß notwendig darin liegen müßte, daß ſie das Gute im Menſchen zu einem Grund der Wahl in dem Verſtand, wie ihn Miſſouri hat,*) machten. Wenn übrigens der verehrte Herr Doktor ſo fürchterlich mit mir verfährt wegen der drei Jahrhunderte, will ich ſagen, daß ich meines Wiſſens zuerſt von miſſouriſchen Publikationen dargeſtellt fand, daß die Lehre der Dogmatiker ſo und ſo ſei, wie ich geſagt habe. Nun habe ich auch etwas gehört von einer rationaliſtiſchen Zeit und dachte, vielleicht könnte man eine Einwendung machen gegen dieſe Rechnung. Ich dachte aber, man ſpräche von den rechtgläubigen Lehrern in dieſen letzten dreihundert Jahren der Kirche. Und dann dachte ich, wäre der Ausdruck recht, und in dieſer Beziehung habe ich ihn auch gebraucht. Mir iſt wenig⸗ ſtens nicht einer von dieſen großen Lichtern bekannt, der nicht in der Dar⸗ ſtellung der Erwählung einen Abſchnitt hätte, dem man die Überſchrift geben könnte: ‚Intuitu fidei‘.“ — Hier frug ein Konferenzglied dazwiſchen: Luther auch? und Paſtor Muus antwortete: „Luther auch, ja!“ „Ich möchte fortfahren, wenn's erlaubt iſt. Da würde ich denn ſagen: Wenn nun Herr Dr. Walther ſo fürchterlich und mit Recht darauf losfährt, daß man die Wahrheit aus den Vätern und Dogmatikern beweiſen wolle, warum thut er es denn ſelbſt? Denn wenn er vorhält, woraus man die Wahrheit beweiſen ſoll, ſo ſagt er: Aus Schrift, Bekenntnis und Katechis⸗ mus. Bekenntnis und Katechismus ſind doch wohl auch die Väter.“ Hier rief der Präſes Herrn Paſtor Muus zu: „Das verſteht man nicht unter Vätern!“ Paſtor Muus fuhr fort: „Nein? Das mag ſein. Aber ich habe es *) Soll wohl heißen: „wie ihn Miſſouri verwirft“.