# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 68 — man ihn darauf aufmerkſam macht, ſo ſagt er: O, die Alten haben das auch gehabt! Aber nirgends haben die Alten das „wegen des Glaubens“ gebraucht, die für Rechtgläubige angeſehen wurden. Aber, ob wir richtig über die alten Dogmatiker urteilen, das iſt gar nicht, was uns trennt. Es iſt in der That eine traurige Sache, daß man mitten in der lutheriſchen Kirche, anſtatt zu Schrift und Bekenntnis, zu den Dogmatikern zurückkehren und den Leuten weismachen will, wenn wir den Dogmatikern einen Irrtum nachweiſen wollten, ſo ſeien wir keine rechten Lutheraner. Das iſt ein Luthertum, zu dem ich mich nie bekennen mag. Wenn das Luthertum ſein ſoll, daß man mit jedem alten Dogmatiker in jeder Beziehung ſtimmen muß, und wenn nicht, daß man dann kein Lutheraner iſt, ſo will ich damit nichts zu thun haben. Wir haben nie dieſen papiſtiſchen Grundſatz gehabt, daß wir jeden Satz der alten Dogmatiker unterſchreiben. Und wenn Paſtor Muus ſagt: Ja, dreihundertjährig!! — ſo iſt das ja nicht wahr. In die lutheriſche Kirche iſt ſeit 1½ Jahrhundert der Rationalismus eingedrungen. Da haben wir keinen einzigen anerkannt rechtgläubigen Dogmatiker. Aber Schmidt und ſeine Freunde nehmen dieſe Periode jetzt auch mit hinein, da⸗ mit ſie den Leuten weismachen können: dreihundert Jahre ſei ſo gelehrt worden. Nein! nein! ſchon ſeit anderthalb Jahrhunderten giebt es keinen Dogmatiker, auf den ſich zu berufen einem wahren Lutheraner einfällt. Im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts und im Laufe des 17. Jahr⸗ hunderts lebten die Dogmatiker, die für gute Lutheraner gegolten haben. Aber keiner unter ihnen hat geſagt: Was ich geſchrieben habe, das muß man glauben. Es iſt ſchmählich, daß eine ſolche Stimme ſich nur erhebt in der lutheriſchen Kirche! Was fragen wir nach den Dogmatikern, wenn gefragt wird: Was iſt Wahrheit? Wo in aller Welt ſind wir Lutheraner ſo gelehrt worden? Unſere armen Farmer wären ſehr übel daran, wenn ich zu ihnen ſagte: Siehe, da habe ich ein großes Buch, es iſt aber lateiniſch, das verſtehſt du freilich nicht; das hat der große Gerhard geſchrieben; daher mußt du glauben, was darin ſteht. Da könnten ſie mit Recht ſagen: Nun leben Sie wohl, Herr N. N., wir haben nichts mehr miteinander zu thun; gehören Sie zu einer ſolchen Sorte von Lutheranern, ſo will ich damit nichts zu ſchaffen haben. — Daß Sie, Herr Paſtor Muus, ſagen: Die Dogma⸗ tiker hätten das „intuitu fidei“ als Fahne ausgehängt, das iſt nichts. Was frag' ich nach der Fahne! Zeigen Sie, wo das „intuitu fidei“ in der Bibel ſteht. Kein Wort davon ſteht in der Bibel, kein Wort in den Sym⸗ bolen. — Und was die zweite Frage betrifft, ob im Menſchen etwas Gutes ſei, das Gott zur Wahl bewege, ſo ſind Sie hierin ſelbſt gegen die Dogma⸗ tiker. Die haben geſagt: Auch nicht was im Menſchen durch die Gnade gewirkt wird, könne ein Grund ſein der Gnadenwahl, nicht bloß nicht, was von Natur angeblich Gutes im Menſchen iſt. Das ſagt ja z. B. Quenſtedt deutlich. — Wir berufen uns im verſchiedenen Sinn auf die Väter. Paſtor Muus thut's, um uns zu fangen und zu binden. Wir thun es, weil er die