# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 59 — wählt, die allein ſelig werden? — Nein, das kann ich mir nicht reimen. Aber hat uns denn Gott ſeine Wahrheit geoffenbart, daß wir ſie uns reimen ſollen? Nein, ſondern glauben ſollen wir ſie, wie er ſie uns ge⸗ offenbaret hat. „Ferner lehrt die Schrift, daß Gott den feſten Willen hat, alle Men⸗ ſchen zum Heil in Chriſto zu berufen, daß dieſer Beruf ernſtlich und auf⸗ richtig gemeint ſei, und daß die Mittel, durch welche dieſer Beruf geſchieht, allezeit kräftig und wirkſam ſeien. Darum iſt die Lehre der Calviniſten eine verfluchte Lehre, daß es eine doppelte Berufung Gottes gebe, eine ernſt⸗ liche für die Erwählten, und eine nur zum bloßen Schein für die, welche nicht erwählt ſind. Wir kennen nur eine Berufung, die Gott treulich an allen meint. Mit dieſer Berufung beruft er unzählige Menſchen, die nicht ſelig werden um ihrer Herzenshärtigkeit willen. Durch denſelben Beruf beruft er auch ſeine Erwählten und thut nichts Beſonderes hinzu; ſein Beruf iſt bei allen derſelbe. „Das iſt die Lehre der Schrift von der Wahl. „Aber, könnte jemand ſagen, iſt es nicht im Grunde ein erſchrecklich Ding um dieſe Lehre von der Wahl? Nein, antworten wir, wenn wir einfältig bleiben bei dem, was die Schrift davon ſagt, und nicht vergeſſen, daß die Wahl in Chriſto geſchehen iſt. Denn wie alles Evangelium, ſo iſt auch dies Stück desſelben nur tröſtlich. Schaue JEſum Chriſtum an; da ſiehſt du deine Wahl. Spekuliere nicht über den geheimen Rat, ſondern halte dich an Chriſtum und an das Evangelium, welches ſo tröſtlich vom allgemeinen Gnadenwillen und der Barmherzigkeit Gottes in Chriſto redet. Geſetzt den Fall, du biſt ein großer Sünder, ein Säufer, ein Hurer geweſen. Heißt es nun etwa: Bleib ferne von Chriſto, du haſt keinen Teil an ihm, dich geht die Wahl nichts an? Nein, ſondern vielmehr: Chriſtus iſt für alle geſtorben, ſein Blut macht alle rein. Hurer und Zöllner kommen wohl noch eher ins Himmelreich, als Phariſäer. In Chriſto, ‚deſſen Blut be⸗ ſtändig ſchreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!‘, thut ſich ein weites Thor auf für alle Sünder. Wenn es auch heißt: ‚Viele ſind berufen, aber we⸗ nige ſind auserwählt‘: Gottes Wahl ſtimmt mit ſeiner Barmherzigkeit, die über alle geht. Glaube es nur, daß du auch erwählt biſt. — So ſoll man von der Wahl reden, und das Wort der Schrift nehmen, ſo wie es lautet.“ (Vergleiche den Synodalbericht von Wisconſin Seite 33 f. und den von Minneſota Seite 33 f.) Dazu iſt noch zu nehmen, um allen Mißverſtand abzuſchneiden, wenn es weiter unten in denſelben Berichten heißt: „Und wiederum auf geſche⸗ hene Anfrage die Erklärung gegeben war, daß mit der vorgetragenen Dar⸗ legung der Lehre von der Gnadenwahl allerdings die Lehre, daß Gott in Anſehung des Glaubens erwählt habe, verworfen ſei.“