# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S234 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 234 Von der Versetzung der Prediger. worten fürfallen, so er eine seufzende und wieder zurückrufende christliche Gemeinde ohne einige erhebliche Ursache verlassen würde. Aber hierauf antwortet das Theologische oft angezogene, von den Tübinger Theologen approbirte Bedenken: „Gleichwie in allen andern Werken Gottes menschliche Vernunft zu grübeln pflegt, also thut sie auch bei dem Handel des Berufs eines frommen Predigers. Denn hie ruhet der Berufenen eigen Herz und Gedanken nicht, und will die Vernunft stark am Irdischen hangen, siehet bald auf Gunst und Freundschaft derer, bei denen sie lebet' ꝛc. Bei solchem Eingeben erinnert sich ein frommer Prediger, daß er Gott mehr denn der Welt und alles, was darinnen ist, verbunden ist. Denn er rühmt sich ja Gottes Diener und Legaten, und hält sein Amt für Gottes Amt. Wie er nun Gottes ist mit seinem Amt, also soll er auch auf Gott fürnehmlich sehen. Und wie er sonst in seinem ganzen heiligen Amt nicht Menschen, sondern Gott zu Gefallen lebet, hierbei der Welt Gunst und Ungunst nicht ansehen soll, also bei seinem Beruf erwäget er billiger, ob er göttlich und christlich sei. Befindet er dies und ist in seinem Herzen überzeugt, so muß er Gott hie auch mehr gehorchen, denn allem menschlichen Eingeben und fleischlichen Gedanken. Gott hat aller Menschen Herzen in seiner Hand, kann uns und den Unsrigen andere treue Freunde und Förderer erwecken.“ 16. Es ist also nicht der Fall, daß Einen die Thränen der Zuhörer zurückhalten sollen, weil auch Paulus sich durch dieselben nicht hindern ließ, Apostelg. 20, 7. Es gereicht daher die Wegnahme eines treuen Predigers der früheren Gemeinde zur Zurechtweisung für die Guten, zur Strafe für die Bösen, und zur Warnung beider, wodurch alle zu dem Segen gelangen sollen, daß sie theilhaftig werden der göttlichen Verheißung Joh. 30, 20. 21. Der HErr wird deinen Lehrer nicht mehr lassen wegfliehen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen, und deine Ohren werden hören das Wort hinter dir sagen also her: dies ist der Weg, denselben gehet; sonst weder zur Rechten noch zur Linken. „Es soll,“ sagen die Jenaer Theologen in der citirten Stelle, „diese Abforderung ihres Pfarrers die Zuhörer vielmehr zum Gebet anmahnen, daß sie aus rechtem bußfertigen und thränenden Herzen Gott um einen andern tüchtigen Lehrer anrufen, als daß sie umgekehrter Weise deswegen den Weg einer ordentlichen Vocation hindern wollten. Ueber das sind solche Thränen der Zuhörer ein öffentliches Zeugniß, daß der Pfarrer sich bei ihnen wohl und also verhalten, daß er tüchtig, und würdig zu höhern Diensten befördert zu werden.“ 17. Im Vorbeigehen glauben wir auch dies erinnern zu müssen aus S. 541: „Niemand soll dafür halten, man sei in solcher Vocation zuwider dem Gebot Gottes: Laß dich nicht gelüsten. Denn ja bewußt, daß dies Gesetz von einer verbotenen, bösen, sündlichen Lust handele, und kann demnach so wenig wider den ordentlichen Beruf eines Kirchendieners gezogen