# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 32 — wir glaubten ganz anders, als wir lehrten — wer uns ſo behandelt, mit dem können und dürfen wir nicht mehr als Bruder zuſammenſitzen oder wir machen uns des gröbſten Synkretismus ſchuldig, der je vorgekommen wäre. Prof. Schmidt iſt jahrelang ermahnt, gewarnt, geſtraft worden. Hier gilt das Wort Gottes Röm. 16, 17.: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Ärgernis anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“ Dieſen göttlichen Befehl dürfen wir nicht vernachläſſigen. Mit Herrn Paſtor Muus iſt das etwas ganz anderes. Der hat das nicht gethan, was Prof. Schmidt gethan hat. Darum hat er hier noch Sitz und Stimme. Herr Paſtor Muus erklärte darauf: Es iſt aber doch im praktiſchen ſchwer, und nicht ſo leicht feſtzuſtellen, wann einer nicht mehr einfach nur in falſcher Lehre ſteckt, ſondern nun auch ein wirklicher αἱρετικός, das iſt, Ketzer geworden iſt. Ich verleugne das Schriftwort nicht, daß man einen Ketzer meiden ſoll. Aber wie ſoll das nun entſchieden werden, wann jemand ein Ketzer geworden iſt oder nicht? Das muß doch hier auf der Synodalkonferenz beſprochen werden, darum auch Schmidt erlaubt wer⸗ den, ſich zu verteidigen. Und wenn man dies Herrn Prof. Schmidt ver⸗ weigert, ſo muß man es mir auch verweigern. Man hat zwar erklärt: zwiſchen Paſtor Muus und Prof. Schmidt ſei ein großer Unterſchied; Muus habe das nicht gethan, was Schmidt gethan habe, habe die Miſ⸗ ſourier nicht als Calviniſten öffentlich verſchrieen und nicht in Gemeinden Rottiererei gemacht. Aber dagegen möchte ich nun zu bedenken geben, daß doch dieſer Unterſchied nicht ſo gewaltig iſt. Schmidt hat deutſch ge⸗ ſchrieben und in deutſchen Gemeinden das Beanſtandete gethan. Muus hat das freilich nicht gethan; ich habe gemeint, ich wolle viel lieber nicht zu viel ſchreiben, ſondern auf Konferenzen und Synoden die Sache be⸗ ſprechen. Schmidt hatte aber die Meinung, er müſſe öffentlich die Miſ⸗ ſourier angreifen, weil ihr Calvinismus öffentlich gelehrt wird. Nun, ich finde nichts über die Art und Weiſe des Angriffs einer falſchen Lehre in Gottes Wort vorgeſchrieben. Das, meine ich, kann jeder nach ſeiner Über⸗ zeugung thun. Und was das Skandalmachen in Gemeinden betrifft, ſo iſt doch hier die Frage: Wer hat denn den Skandal gemacht? Es verhält ſich doch ſo: In einer lutheriſchen Gemeinde lehrt der Paſtor plötzlich Calvi⸗ nismus. Ein Teil, der nicht von ſeiner lutheriſchen Kirche und Lehre ab⸗ fallen will, ruft Prof. Schmidt zu Hilfe, damit die lutheriſche Lehre gerettet wird. Iſt er nun von chriſtlicher Liebe erfüllt, ſo muß er dieſen Leuten helfen, damit die rechte Lehre erhalten bleibt. Nun, wenn ich in derſelben Poſition geweſen wäre, als Prof. Schmidt, ſo hätte ich dasſelbe auch gethan. Dem wurde entgegnet, daß dann Herr Paſtor Muus offenbar auch nicht mit uns ſtimme in der Lehre vom Amt und Beruf; wozu Paſtor Muus erklärte: Das mag ſein, daß ich darin nicht mit euch ſtimme, wie ich denn überhaupt nicht weiß, worin ich noch mit Dr. Walther ſtimmen kann.