# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 15 — Herr Prof. Schmidt unter dieſem vorausgeſehenen „Verhalten“ ver⸗ ſtehe, infolgedeſſen die Auserwählten erwählt ſein ſollen, erhellt am deut⸗ lichſten aus ſeiner ſpäteren bereits erwähnten Behauptung, daß ein Menſch nicht durch die Gnade, ſondern aus ſeinen eigenen natürlichen Kräften, oder kraft ſeines freien Willens das mutwillige Wider⸗ ſtreben gegen die innere Bekehrungsgnade aufgeben könne. Durch dieſe ſeine ſynergiſtiſche Erklärung des Gnadenwahls⸗Geheimniſſes fälſcht er dieſen hohen Artikel unſeres allerheiligſten chriſtlichen Glaubens nicht nur, ſondern hebt denſelben gänzlich auf. Denn hat Gott, wie Herr Prof. Schmidt ſagt, die Auserwählten erwählt in der „Vorausſetzung“, daß ſie ſich, nicht durch Wirkung der Gnade, ſondern aus ihren eige⸗ nen natürlichen Kräften oder kraft ihres ſogenannten freien Willens recht verhalten, nämlich aus eigener Kraft mutwillig zu widerſtreben auf⸗ hören, aus eigener Kraft ſich alſo Gott überlaſſen und zur Gnade „ſchicken“; dann hängt die Wahl, welche Herr Prof. Schmidt lehrt, ab von dem, was der Menſch thut, dann iſt ſie eine auf Menſchenthun gegrün⸗ dete, dann iſt ſie keine Wahl der Gnade. Es iſt dies eine ganz erſchreck⸗ liche, grundſtürzende Lehre, welche nicht nur, wie geſagt, die Lehre von der Gnadenwahl verfälſcht, ja, gänzlich aufhebt, ſondern auch die Krone aller Lehren, die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnaden, allein um Chriſti willen und allein durch den von Gott gewirkten Glauben, um⸗ ſtößt. Denn dieſelben „Vorausſetzungen“, welche das Seligwerden hat, hat auch das Gerechtwerden vor Gott, wie die heilige Schrift lehrt und unſer Bekenntnis bezeugt. Denn alſo ſchreibt der heilige Apoſtel Paulus: „Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubet aber an den, der die Gottloſen gerecht macht, dem wird ſein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit“, und ſetzt hierauf hinzu: „Nach welcher Weiſe auch David ſagt, daß die Seligkeit ſei allein des Menſchen, welchem Gott zu⸗ rechnet die Gerechtigkeit ohne Zuthun der Werke, da er ſpricht: Selig ſind die, welchen ihre Ungerechtigkeiten vergeben ſind und welchen ihre Sünden bedecket ſind; ſelig iſt der Mann, welchem Gott keine Sünde zurechnet.“ (Röm. 4, 5—8.) Unſer Bekenntnis aber bezeugt: „Es iſt auch das unrecht, wann gelehrt wird, daß der Menſch anderer⸗ geſtalt oder durch etwas anderes müſſe ſelig werden, denn wie er vor Gott gerechtfertigt wird, alſo, daß wir wohl allein durch den Glauben ohne Werk gerecht werden, aber ohne Werk ſelig zu werden oder die Seligkeit ohne Werke zu erlangen, ſei unmöglich. Dieſes iſt darum falſch, denn es iſt ſtracks wider den Spruch Pauli Röm 4.: ‚Die Seligkeit iſt des Menſchen, welchem Gott die Gerechtigkeit zurechnet ohne Werk.‘ Und Pauli Grund iſt, daß wir auf eine Weiſe, wie die Gerechtigkeit, alſo auch die Seligkeit erlangen, ja, daß wir eben da⸗ mit, wenn wir durch den Glauben gerecht werden, auch zugleich empfan⸗ gen die Kindſchaft und Erbſchaft des ewigen Lebens und Seligkeit.“