# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S230 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 230 Von der Versetzung der Prediger. nen, ihr Gewissen und fromme Leute zu Rath nehmen und bei Leibe Gott nicht widerstreben, der am besten, als ein allwissender HErr, erkennt und weiß, an welchem Orte ihm ein jeder am nützlichsten sein könne. — Einem Prediger, den Gott rufet und nicht folgen will, dem dräuet Gott schrecklich, welches daselbst mit Sprüchen, Matth. 25, 30., 1 Cor. 9, 17. und Exempeln des Mose, 2 Mos. 4, 11., des Propheten, 1 Kön. 13, 24., des Jeremiah, Jer. 1, 17., und des Jonah, Jon. 1, 4., bewiesen wird. — Es ist auch dies gewiß, daß ein Prediger, welcher wider seinen Beruf handelt, sich ein unruhig Gewissen zuziehen kann. Denn sobald ihm ein Unglück zustößet, prediget ihm sein eigen Herz: Dies ist Gottes gerechtes Gericht, Er hat dir gewiesen einen Weg, diesem Unglück zu entgehen, welchen du verachtet hast; du hast dir das Zeitliche lieber sein lassen, denn seiner Kirchen Ehre und seines Wortes Fortpflanzung, darum strafet dich jetzo Gott ꝛc.“ 12. Wir fügen ferner bei aus S. 535: „Es möchte eingewendet werden, Gott allein sei es bewußt, ob der Pfarrer größern oder kleineren Nutzen in dem neuen Berufe schaffen werde, und hätten sich die Theologen nicht um den Effect und Nutzen ihres Berufes, sondern um ordentlichen Beruf zu bekümmern. Derowegen er den größeren Nutzen bei der Hof⸗Prädicatur nicht zu urgiren hätte. Hierauf antworten wir: I. Es ist freilich Gott allein eigentlich und gewiß bewußt, an welchem Orte ein Prediger größeren Nutzen schaffen werde: aber daraus folgt noch lange nicht, daß ein Prediger, in Vergleichung seiner jetzigen und neuen Vocation nicht sollte die Umstände aller beider Berufe vernünftig erwägen, und in Acht nehmen, wo er verhoffentlich bei der Kirche größeren Nutzen schaffen werde, denn sonsten würde keine Nachrichtung mehr haben, welchen Beruf er dem andern sollte vorziehen. Viel besser redet hiervon das oft gedachte Theologische Bedenken: „Es soll ein berufener Prediger nicht blind zufahren, und einen jeden Beruf mit blindem Ungestüm um mehrer Besoldung, größerer Ehre und gewünschter Ruhe willen annehmen, mit Einwendung: Gott wolle es schlecht so haben; sondern er soll seinen gegenwärtigen Beruf mit dem neuen aufgetragenen fleißig vergleichen, nicht dem Einkommen und der Ehre und äußerlichen Annehmlichkeiten, sondern nach den officiis vocationis, das ist, nach den Diensten seines Berufs sehen, er soll wohl zusehen, welche Gemeinde seiner am meisten bedürfe, und an welchem Orte er unserm Gott größeren Nutzen schaffen könne. Befindet er nun, daß bei dem neuen Beruf des Reiches Gottes Erbauung und Erweiterung mehr als im vorigen könne fortgesetzt werden, so soll er folgen und gute Acht haben, daß er sein Pfund, so ihm von Gott anvertrauet, nicht vergrabe, um guter Tage und Einkommens willen. II. Eben aus dem ordentlichen, rechtmäßigen Beruf hat man guter Maßen abzunehmen, an welchem Orte man Gott wohl am meisten dienen könne.