# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1882_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — ſolle. Seine ſynergiſtiſche Theorie forderte auf das entſchiedenſte, daß die⸗ jenigen, welche Gott erwählt hat und ſelig macht, während Gott andere nicht erwählt hat und nicht ſelig macht, etwas gethan haben müßten, was die letzteren nicht gethan haben, und um deswillen jene vor dieſen von Gott zur Seligkeit auserwählt worden ſein müßten. Daß ein Menſch zwar allein aus eigner Schuld, nämlich um ſeines vorausgeſehenen halsſtarrigen Wider⸗ ſtrebens willen, von Gott nicht erwählt, ſondern verworfen worden ſei, daß aber der andere nur aus Gnaden, und nicht um ſeines beſſeren Verhal⸗ tens willen zur Seligkeit auserwählt worden ſei, das konnte er nicht nur mit ſeiner Vernunft ſchlechterdings nicht reimen, ſondern dies widerſprach auch ſo gänzlich den ſynergiſtiſchen Anſchauungen, die in ſeiner Seele leb⸗ ten, daß er nicht anders konnte, er mußte entweder gegen die lautgewordene altlutheriſche Lehre von der Gnadenwahl auftreten, oder ſeine ſynergiſtiſchen Ideen aufgeben. Um aber bei ſeinem Publikum Eindruck zu machen, mußte er der altlutheriſchen Lehre von der Gnadenwahl das Brandmal des Cal⸗ vinismus, ja, des Kryptocalvinismus aufdrücken. Er ſah ein, daß er nicht das Geringſte ausrichten würde, wenn er die altlutheriſche Lehre nur aus der Schrift zu widerlegen ſuchen würde; da aber der Calvinismus in der lutheriſchen Kirche mit Recht verabſcheut wird, ſo hoffte er, einen großen Anhang zu gewinnen, wenn er der wieder auf den Plan gekommenen alt⸗ lutheriſchen Lehre den Namen jener greulichen Ketzerei anheften würde. Daß ſein Synergismus jetzt Unzähligen im Herzen ſtecke, welche gute Luthe⸗ raner zu ſein wähnen, das wußte er: ſo läutete er denn, wie er ſelbſt in der erſten Nummer ſeines „Altes und Neues“ ſagt, ſeine „Sturmglocke“ mit freudiger Siegesgewißheit; worin er ſich denn auch leider nicht getäuſcht hat. Der ungeheure Chor aller Synergiſten „läuft ihm zu mit Haufen, wie Waſſer“ (Pſ. 73, 10.), und eifert mit ihm „um Gott, aber mit Un⸗ verſtand“ (Röm. 10, 2.), oder — Gott allein weiß es, wer und wie viele — in bewußtem Gegenſatz gegen das Wort des lebendigen Gottes und gegen das klare Zeugnis ſeiner wahren Kirche. Schon im Mai 1879 ſchickte Herr Prof. Schmidt einem Gliede des Lehrerkollegiums unſeres Seminars zu St. Louis vier Theſen nebſt ebenſo viel Antitheſen zu, welche den Zweck haben ſollten, „kurz und bündig die Punkte anzugeben, welche er in unſerm weſtlichen Bericht (von 1877) be⸗ anſtande“. Schon in dieſen Theſen verwirft er unter anderem dies als unſere Lehre, daß „die Erwählung nicht geſchehen iſt infolge göttlicher Vorausſehung des verſchiedenen Verhaltens ſeitens der Menſchen gegen die dargebotene göttliche Gnade“. In der dieſer von ihm verworfenen Theſis gegenüber geſtellten Antitheſe aber ſetzt er ſelbſt feſt: „Der beſondere Gnadenwille Gottes, als nächſter Grund und Norm der Erwählung im engſten Sinne, hat allerdings das verſchiedene Verhalten der Menſchen gegen die allgemeine Gnade zur Vorausſetzung.“ (Siehe „Altes und Neues“ I, 234 f., wo die Theſen und Antitheſen abgedruckt ſind.) Was