# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 26 — als nun vollends der Methodismus und der Rationalismus Alles erfaßte, ſo verfiel die lutheriſche Kirche an gar vielen Orten. Die beſte lutheriſche Synode in vorigen Zeiten iſt hierzulande immer noch die Tenneſſee⸗Synode geweſen. Doch hat ſie das merkwürdige Princip befolgt, kein Seminar zu haben, ſondern hat die einzelnen Prediger junge Männer für den Dienſt im Weinberge des HErrn ausbilden laſſen. Die Folge iſt geweſen, daß auch dieſe Synode eingeſchlafen iſt. Erſt in neuerer Zeit ſcheint ſich in ihr wieder etwas Leben zeigen zu wollen, indem Glieder derſelben daran den⸗ ken, die Ausbildung von Predigern in einem eigenen Seminar zu unter⸗ nehmen. — Luther ſpricht ſich über das in der Theſis Beſagte ſo aus: „Ich kann auch die Brüder Waldenſes darinnen gar nichts loben, daß ſie die Sprachen verachten. Denn ob ſie gleich recht lehrten, ſo müſſen ſie doch gar oft des rechten Textes fehlen, und auch ungerüſtet und ungeſchickt bleiben zu fechten für den Glauben wider den Irrthum. . . Sie mögen bei ihnen ſelbſt heilig leben und lehren, aber weil ſie ohne Sprachen bleiben, wird ihnen mangeln müſſen, was allen andern mangelt, nämlich daß ſie die Schrift gewiß und gründlich nicht handeln, noch andern Völkern nützlich ſein mögen. Weil ſie aber das wohl könnten thun, und nicht thun wollen, mögen ſie zuſehen, wie es vor Gott zu verantworten ſei.“ (Schrift an die Rathsherrn aller Städte Deutſchlands, daß ſie chriſtliche Schulen aufrichten und halten ſollen. 1524. X, 554.) Ohne wiſſenſchaftlich gebildete Prediger kann eine größere kirchliche Gemeinſchaft auf die Dauer nicht beſtehen. Wir brauchen Colleges oder Lateinſchulen. Die drei alten Sprachen, die lateiniſche, die griechiſche und die hebräiſche, in denen am Kreuz geſchrieben ſtund: „JEſus von Nazareth, der Juden König“, ſind wichtig; und zwar die lateiniſche, weil in ihr die größten Schätze der Erkenntniß der Kirche niedergelegt ſind; die grie⸗ chiſche, weil in ihr das Neue Teſtament urſprünglich verfaßt worden iſt; die hebräiſche, weil in ihr Moſes und die Propheten das alte Teſtament verabfaßt haben. Zwar muß nicht jeder Prediger dieſer Sprachen mächtig ſein; ja, Einer, der ſie nicht gelernt hat, iſt oft ein beßrer Prediger als ein Andrer, der ſie ſtudirt hat; aber die Kirche, als ſolche, kann claſſiſch gebildete Prediger nicht entbehren, und will eine kirchliche Gemeinſchaft in dieſer Be⸗ ziehung Nichts thun, ſo gräbt ſie ſich ihr eigenes Grab. — Mit dem Ausdruck: „Es ſteht im genauen Zuſammenhang mit dem Bekenntniß — helfen“ ſoll darauf aufmerkſam gemacht werden, daß man nicht ſchwärmeriſcher Weiſe hoffen ſolle, Gott werde ſeine Kirche ohne Mittel erhalten, ohne Colleges! Nein! darin ſollten uns auch die Methodiſten ein warnendes Beiſpiel ſein, die auch immer Nichts auf Bildung und Gelehrſamkeit an Predigern halten wollten und meinten, der Geiſt, der Geiſt! müſſe die Prediger bilden und Lateinſchulen ſeien ver⸗ werflich. Aber ſie haben ein anderes Lied ſingen lernen und haben nun auch Colleges.