# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 24 — dieſer Zeit ein anderer Bann ſollte aufgerichtet werden; denn es fallen viele Sachen für, die zuvor einer cognitio bedürfen. Nun können wir nicht ſehen, wie die cognitio noch zur Zeit zu beſtellen und zu ordnen ſein ſollte.“ (Briefe ꝛc., geſammelt von de Wette. Berlin. 1827. IV, 388.) Das Recht der Suspenſion oder der Verweigerung des heiligen Abend⸗ mahles hat jeder Prediger gemäß dem Ausſpruche Chriſti: „Ihr ſollt das Heiligthum nicht den Hunden geben, noch eure Perlen vor die Säue werfen.“ Dies Recht kann uns kein Menſch, keine Creatur rauben, es iſt die conditio sine qua non ſeelſorgerlicher Behandlung. Wenn Luther ſagt, er habe die Kirchenzucht nicht eingeführt, um nicht Rotten zu machen, ſo will er ſagen: Er wollte nicht durch Dringen auf dieſelbe Urſache ſein, daß die ganze Chriſtenheit, die er vom Pabſtthum überkommen hatte, ſich ſpalte. Das haben wir nun nicht zu befürchten: denn wir können die Kirche nicht ſpalten, ſie iſt ſchon geſpalten. Wie ſich Luther ob des Mangels der Kirchenzucht im engern Sinne des Wortes damit tröſtete, daß er wenigſtens die Lehrzucht hatte, vernehmen wir aus folgenden Worten desſelben: „Uns iſt der Bann befohlen, daß, wenn jemand wider Gottes Gebot ſündigt, und will nicht hören, daß man ihm ſeine Sünde binde. . . Es iſt aber die Welt (Gott Lob!) jetzt ſo fromm, daß man des Bannens nicht bedarf, ob ſie gleich mit Sünden überſchwemmet iſt. Denn ſie ſteckt voll Geizes, Haſſes, Neids, Betrugs, ja, voller Schande und Laſter. Noch iſt keine Sünde da, die man bannen könnte. Es heißt jetzt alles redlich und ehrlich gehandelt, Nahrung geſucht, es muß alles Heiligkeit ſein, und ſind in's Teufels Namen alle fromm worden. Darum hat dieſer unſer Bann des Lebens halben nicht mehr ſtatt. Wir können dieſen Bann nicht aufrichten. Aber ſo wir nicht können die Sünde des Lebens bannen, ſo bannen wir doch die Sünde der Lehre. Den Bann haben wir dennoch behalten, daß wir ſagen: Die Wiedertäufer, Sacramen⸗ tirer und andere Ketzer ſoll man nicht hören; bannen und ſcheiden ſie von uns. Dieſes iſt das nöthigſte Stück. Denn wo die Lehre falſch iſt, da kann dem Leben nicht geholfen werden. Wo aber die Lehre rein bleibt und erhalten wird, da kann man dem Leben und dem Sünder wohl rathen. Denn da hat man die Abſolution und die Vergebung, wenn's zur Lehre kommt. Iſt aber die Lehre hinweg, ſo geht man irre, und findet man weder Bannen noch Löſen. Da iſt's denn alles verloren.“ (Zu Matth. 18, 18. Erl. Ausg. Bd. XLIV, 94 f.) Daß die Obrigkeit oft Schuld war, daß die Kirchenzucht zu Luthers Zeit nicht ſo in Schwang kam, bezeugt nachſtehendes Citat aus ſeinen Wer⸗ ken: „Wo ſie (die Obrigkeit) der Kirchen Cenſur und Strafe hindert, und will den Bann, wie Chriſtus denſelben eingeſetzt und befohlen hat, nicht geſtatten noch gehen laſſen, fördert, hegt und hilft alſo zu Aergerniſſen: ſo wird ſie aus Gottes Dienerin des leidigen Teufels in der Hölle leibeigener Knecht.“ (Ueber Joel 3, 17. VI, 2406.)