# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 21 — giert, ſo ſollſt du ihn erſtlich vermahnen und chriſtlich verwarnen, daß er wolle ſeiner Seligkeit wahrnehmen und Aergerniß meiden. Und o wie ein gar ſelig Werk haſt du gethan, wenn du ihn alſo gewinneſt! Aber, Lieber, wer thut es? Denn aufs erſte iſt die Wahrheit ein feindſelig Ding; wer die Wahrheit ſaget, dem wird man gram; darum willſt du lieber deines Nachbarn Freundſchaft und Gunſt behalten, ſonderlich wenn er reich und gewaltig iſt, denn daß du ihn wolleſt erzürnen und dir zum Feinde machen. Deßgleichen, wenn der andere, dritte, vierte Nachbar auch alſo thut, ſo fället mit der erſten Vermahnung auch die andere und dritte in Brunnen, dadurch der Nächſte hätte können wieder auf den rechten Weg gebracht werden, ſo du nur mit Vermahnen thäteſt, was du ſchuldig und pflichtig biſt.“ (Ueber Joel 3, 17. VI, 2404. f.) — Aus dieſer Stelle erſehen wir zugleich, daß nicht bloß offenbare Wucherer, Hurer, Ehebrecher und Säufer der Kirchenzucht verfallen ſind, weil ſie in ſolchen Sünden leben, die auch die Welt für ſchändlich hält, ſondern auch ſolche, die in Sünden leben, die nur in der Kirche geſtraft werden, als wenn Einer ſieht, daß ſein Mitbruder keinen Hausgottesdienſt hält, oder den Seinen das Böſe nicht wehrt und dergl. Jeder treue Prediger muß in einer neuen Ge⸗ meinde den Grund zur Kirchenzucht damit legen, daß er ſeine Leute anhält, ſich heimlich zu ermahnen. Er ſoll ſich nicht mit dem Gedanken befreun⸗ den, er wolle das Vermahnen und die Kirchenzucht allein ausüben, das iſt nicht lutheriſch, ſondern papiſtiſch. Denn ſo ſteht in unſerm Bekenntniſſe: „Das wäre aber die rechte Weiſe, wenn man die Ordnung nach dem Evan⸗ gelio hielte Matth. 18., da Chriſtus ſpricht: Sündiget dein Bruder an dir, ſo gehe hin und ſtrafe ihn zwiſchen dir und ihm allein. Da haſt du eine köſtliche und feine Lehre, die Zunge wohl zu regieren, die wohl zu merken iſt wider den leidigen Mißbrauch. Darnach richte dich nun, daß du nicht ſobald den Nächſten anderswo austrageſt und ihm nachredeſt, ſondern ihn heimlich vermahneſt, daß er ſich beſſere. Desgleichen auch, wenn dir ein Anderer etwas zu Ohren trägt, was dieſer oder jener gethan hat: lehre ihn auch alſo, daß er hingehe und ſtrafe ihn ſelbſt, wo er's ge⸗ ſehen hat; wo nicht, daß er das Maul halte. Solches magſt du auch ler⸗ nen aus täglichem Hausregiment. Denn ſo thut der Herr im Haus: wenn er ſiehet, daß der Knecht nicht thut, was er ſoll, ſo ſpricht er ihm ſelbſt zu; wo er aber ſo toll wäre, ließe den Knecht daheim ſitzen, und ging her⸗ aus auf die Gaſſen, den Nachbarn über ihn zu klagen, würde er freilich müſſen hören: Du Narr, was gehet's uns an? warum ſagſt du es ihm ſelbſt nicht? Siehe, das wäre nun recht brüderlich gehandelt, daß dem Uebel gerathen würde und dein Nächſter bei Ehren bliebe. Wie auch Chri⸗ ſtus daſelbſt ſagt: Höret er dich, ſo haſt du deinen Bruder ge⸗ wonnen. Da haſt du ein groß trefflich Werk gethan; denn meinſt du, daß ein gering Ding ſei, einen Bruder gewinnen? Laß alle Mönche und heilige Orden mit allen ihren Werken zu Haufe geſchmelzt herfür treten, ob