# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 19 — ſei das Land, da man ſich ſo recht frei geberden könne und ſich von Nie⸗ mandem mehr etwas ſagen laſſen müſſe. Und was ſoll aus unſerer Ju⸗ gend werden, wenn dieſelbe wahrnimmt: man predigt wohl ſtreng, aber man übt keine Zucht; dann macht man ſie ſtumpf gegen die reine Lehre; abgeſehen von dem Aergerniß, das man den falſchgläubigen Gemeinſchaften durch Verſäumniß der heilſamen Zucht gibt. Ein beſonders wichtiger Grund, warum in jeder kirchlichen Gemein⸗ ſchaft Kirchenzucht geübt werden ſollte, iſt, damit die Prediger ſich nicht der Veruntreuung des Sacramentes des Altars ſchuldig machen. Dies lehrt Luther alſo: „Wohl iſt das wahr, wo die Prediger eitel Brod und Wein reichen für das Sacrament, da liegt nicht viel an, wem ſie es reichen oder was die können und gläuben, die es empfahen. Da frißt eine Sau mit der andern, und ſind ſolcher Mühe billig überhaben; denn ſie wollen wüſte, tolle Hei⸗ lige haben, denken auch keine Chriſten zu erziehen, ſondern wollen's alſo machen, daß über drei Jahr alles zerſtört ſei, weder Gott, noch Chriſtus, noch Sacrament, noch Chriſten mehr bleiben. Aber weil wir gedenken Chriſten zu erziehen und hinter uns zu laſſen, und im Sacrament Chriſti Leib und Blut reichen, wollen und können wir ſolch Sacrament niemand nicht geben, er werde denn zuvor verhört, was er vom Katechismo gelernt und ob er wolle von Sünden laſſen, die er dawider gethan hat. Denn wir wollen aus Chriſti Kirche nicht einen Säuſtall machen und einen jeden un⸗ verhört zum Sacrament, wie die Säue zum Troge, laufen laſſen. Solche Kirchen laſſen wir den Schwärmern.“ (Warnungsſchrift an die zu Frank⸗ furt. 1533. XVII, 2449. f.) Man kann kaum annehmen, daß ein Prediger von Herzen glaubt, der wahre Leib und das wahre Blut Chriſti ſeien im Abendmahl, wenn er keine Kirchenzucht noch die Grundlage der Kirchenzucht, die Beichtan⸗ meldung, übt. Jeder Prediger, der Kirchenzucht üben will, muß darauf beſtehen, daß Jeder, der zum Sacrament gehen will, ſich bei ihm melde, nicht bloß, um ſeinen Namen aufſchreiben zu laſſen, ſondern auch, um ſei⸗ nem Seelſorger Gelegenheit zu geben, ſich davon zu überzeugen, ob der ſich Meldende, der Liebe nach zu urtheilen, ein Chriſt ſei. Zu erforſchen, ob der ſich Meldende 1.) ſo viel weiß vom Heilsrathe Gottes, um ſelig zu werden; 2.) ob derſelbe die nöthige Erkenntniß vom heiligen Abendmahle habe; 3.) ob derſelbe auch chriſtlich lebe, und alſo That⸗ und Mundbekenntniß bei demſelben ſtimmen. Wenn wir in der Synodalconferenz alſo nicht bloße Austheiler, ſondern Haushalter ſein wollen, ſo müſſen wir auf perſönliche Beicht⸗ anmeldung dringen. Um ſich zu ernſter Treue in der Forderung und Aus⸗ nutzung des Inſtitutes der Beichtanmeldung zu reizen, halte man ſich vor, daß, wenn wir die Leute in ihren Sünden zum heiligen Abendmahle gehen laſſen, ſo beſtärken wir ſie in ihrer Sünde und machen uns dadurch der⸗