# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 18 — gleichſam das innere Leben der Kirche bewirkt, ſo regiert dieſe das äußere. Denn die Natur der Menſchen iſt in dieſer Gebrechlichkeit alſo beſchaffen, daß ſie nicht leicht durch die bloße Vorhaltung des Guten bewegt und in ihrer Pflicht erhalten wird, ſondern daß wir hie und da auch einer äußer⸗ lichen Handleitung oder, wenn wir abgewichen ſind, einer Cenſur und Be⸗ ſtrafung, ſei es einer ſanfteren oder ernſteren, und endlich, wenn wir un⸗ verbeſſerlich geworden ſind, der Abſchneidung vom ganzen Leibe durch Aus⸗ ſchließung bedürfen. Dieſe Acte nennt man mit einem Wort die Kirchen⸗ zucht. Je ſtrenger die Alten in derſelben waren, um ſo viel nachläſſiger ſind wir in dieſer letzten Zeit der Welt darin geworden. Und dieſer Mangel an Zucht iſt die Haupturſache des Verfalls unſerer Kirche. Dieſer Mangel an Zucht hat ſchon mit unſerer Reformation ſei⸗ nen Anfang genommen. Denn weil dieſelbe vorher allein die Geiſtlichkeit, mit Ausſchluß der übrigen Stände, und zwar nach ihrem Belieben, meiſt auch in eigenem Intereſſe, oft tyranniſch ausgeübt hat, ſo ſind wir in der Reformation in das andere Extrem gefallen und haben den Predigern allein die Predigt des Wortes und, was zur Kirchenzucht gehört, allein der Obrigkeit überlaſſen. So daß die letztere an den meiſten Orten etwas von ihrem Rechte zu verlieren meinte, wenn kirchliche Perſo⸗ nen entweder in den Conſiſtorien oder auf irgend eine andere Weiſe eine Cenſur ausgeübt hatten. Wo aber noch ein Schatten von Zucht geblieben war, da waren die Hände der kirchlichen Perſonen, auch in den Conſiſtorien, von den politiſchen Herrn ſo gebunden, daß nach und nach gar keine Zucht geübt werden konnte. Rechtſchaffene Theologen unſerer Kirche haben fort und fort über dieſen unſeren Mangel geklagt und die Wiedereinführung einer ſtrengeren Zucht begehrt. Dies hat namentlich der Nürnberger J. Saubertus in einem beſonderen Buch im J. 1636 gethan, dem er den Titel gab „Zuchtbüchlein“, in deſſen erſtem Theile er die ſo hohe Nothwendigkeit dieſer Zucht ſowohl aus der hl. Schrift, als auch aus der ſteten Praxis der alten Kirche und aus der öffentlichen Lehre unſerer ſymboliſchen Bücher nachweiſ't, im anderen Theile 52 Einwände der Politiker wider dieſe Zucht widerlegt, endlich in der Vorrede beiſtimmende Zeugniſſe damals lebender Theologen beifügt, Chr. Schleupner's, J. Gerhard's, Joh. Schmid's, J. M. Meyfart's, J. Meelführer's, Lor. Lälius', J. V. Andreä's, G. Kö⸗ nig's, J. Weber's u. ſ. w. Dieſes Büchlein haben Alle gelobt, welche ſeit dieſer Zeit über Kirchenzucht geſchrieben haben, inſonderheit Dannhauer in ſeiner Gewiſſenstheologie.“ (Instructio pastoral. p. 164. sq.) Wäre die Kirchenzucht in der lutheriſchen Kirche Deutſchlands je und je im Schwange geblieben, ſo läge die letztere jetzt nicht in Trümmern. Und wenn wir hierzulande es auch darin fehlen laſſen, ſo wird auch unſere Kirche dahinfallen; ja, das Verderben, das in Deutſchland dem Verfall der Kirchenzucht folgte, würde hier noch viel ſchrecklicher werden, weil die meiſten neuen Einwanderer in der Meinung herüberkommen, dies