# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 15 — wir die Kirche nicht nach der Bibel ſuchen, ſondern die Bibel bei der Kirche; erſt hören, was die Kirche darin lehrt. Das wäre ein ſtarkes Stück Papis⸗ mus. Denn zwiſchen einem evangeliſch⸗lutheriſchen Chriſten und der Bibel ſteht nicht die Kirche. Die Bibel iſt nicht der Mond, der erſt müßte ſein Licht von der Sonne Kirche borgen, ſondern umgekehrt: die Kirche iſt der Mond, der ſein Licht von der Sonne Bibel borgen muß. Wohl ſoll man auf die Kirche hören in ihrem Urtheil, aber ſich nicht von vorne herein bin⸗ den laſſen. Deswegen ſagen auch unſere Väter von den ſymboliſchen Leh⸗ ren, ſie nähmen dieſelben nicht an, weil dieſelben von den Theologen ge⸗ ſtellet ſeien, ſondern weil dieſelben feſt auf Gottes Wort gegründet ſeien. Zuweilen wird zur Vertheidigung der Offene⸗Fragen⸗Theorie darauf hingewieſen, daß in der Apologie gelehrt werde, auch in der rechtgläu⸗ bigen Kirche käme falſche Lehre vor, die doch geduldet werden müſſe; es heiße nämlich alſo: „Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt iſt, welcher iſt Chriſtus. Auf den Grund ſind nun die Chriſten gebauet. Und wiewohl nun in dem Haufen, welcher auf den rechten Grund, das iſt Chri⸗ ſtum und den Glauben, gebauet iſt, viel Schwache ſind, welche auf ſolchen Grund Stroh und Heu bauen, das iſt, etliche menſchliche Gedanken und Opinionen, mit welchen ſie doch den Grund, Chriſtum, nicht umſtoßen noch verwerfen, derhalben ſie dennoch Chriſten ſind und werden ihnen ſolche Fehl vergeben, werden auch etwa erleuchtet und beſſer unterrichtet: alſo ſehen wir in Vätern, daß ſie auch bisweilen Stroh und Heu auf den Grund ge⸗ bauet haben, doch haben ſie damit den Grund nicht umſtoßen wollen. Aber viel Artikel bei unſern Widerſachern ſtoßen den rechten Grund nieder, das Erkenntniß Chriſti und den Glauben.“ (Art. 7. S. 156.) Dazu macht Carpzov die wichtige Bemerkung: „Die Augsb. Con⸗ feſſion achtet die nicht⸗fundamentalen Dogmen nicht gering, ſondern ſie ſagt nur, daß dieſelben in den Schwachen nachgelaſſen werden.“ (Isag. p. 310.) „In den Schwachen“, heißt es. Aber zu den Schwachen in einer kirchlichen Gemeinſchaft ſollten doch nicht die Prediger gehören. Es iſt wichtig, zu wiſſen, daß unſere Gemeinden doch rechtgläubig ſind, wenn darin auch Irrthümer auftauchen. Aber damit ſoll doch nicht geſagt werden, daß man die Prediger dulden ſoll, die in der Lehre nicht gewiß werden können, oder daß man ihnen das Recht einräumen ſoll, ihren Irrthümern ungeſtraft huldigen zu dürfen. Prediger, die ſo ſchwach ſind, daß ſie Irrthum und Wahrheit nicht zu ſcheiden vermögen, die gehören nicht auf die Kanzel, ſon⸗ dern unter die Kanzel, die ſollen nicht predigen, ſondern zuhören. — Die Väter werden in dem Citat aus der Apologie erwähnt, damit man die Kirche, in der ſich die Kirchenväter befanden, die etliche menſchliche Gedanken und Opinionen unter die Lehre der Kirche miſchten, nicht für eine Secte anſehen ſoll. Aus Schwachheit werden auch in der rechtgläubigen Kirche Irrthümer ausgeſtreut; aber das benimmt einer kirchlichen Gemein⸗