# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — Denn ſobald man unter „offenen Fragen“ nur Probleme verſteht, iſt die Lehre von Kirche und Amt, der Chiliasmus u. ſ. w. ausgeſchloſſen. Des⸗ halb wollte Iowa alle Lehren minus principales fundamentales als offene Fragen angeſehen haben, gerade als ob minus principalis (weniger wich⸗ tig) ſoviel hieße wie: non principalis (unwichtig im Lehrgebäude). Um ſich mit den Symbolen zurechtzuſetzen, erfand Iowa ſeine „hiſtoriſche Auf⸗ faſſung“. Die Hermeneutik hatte bisher unter „hiſtoriſcher Auffaſſung“ dies verſtanden, daß die Geſchichte der Symbole die in denſelben vorgetra⸗ genen Lehren beleuchten ſollte: Iowa ſuchte mit Hilfe der Geſchichte gewiſſe Lehren in den Symbolen als nicht verbindend und daher nicht kirchentren⸗ nend zu bezeichnen und zu beſeitigen. Nur die thetiſche und antithetiſche Entſcheidung ſollte verbindend ſein. Auf die Weiſe konnte man die Schmal⸗ kaldiſchen Artikel und faſt alle Bekenntnißſchriften mit Ausnahme der Augs⸗ burgiſchen Confeſſion und der Concordienformel ziemlich beſchneiden. Wie ſoll demnach da, wo man der Theorie von den „offenen Fragen“ und nach Iowaiſchem Verſtändniſſe der „hiſtoriſchen Auffaſſung“ der Symbole hul⸗ digt, Lehrzucht geübt werden? Weiſ't man auf Gottes Wort, ſo darf Jeder dasſelbe nach ſeiner individuellen Ueberzeugung auslegen bei Lieblings⸗ lehren, die man für offene Fragen hält. Man dürfe füglich die heilige Schrift als einen Jagdgrund anſehen, wo Jeder Beute machen dürfe, wie er könne. — Sobald eine Kirchengemeinſchaft eine Lehre freigibt, von der ſie ſelber bekennt, daß ſie in der Bibel ſtehe, ſo macht ſie damit Thür und Thor auf für Jeden, der falſche Lehren in der Kirche verbreiten will. Was von der Offene⸗Fragen⸗Theorie zu halten iſt, lehrt ſchon Luther in einem Brief an Melanchthon vom 26. Aug. 1530: „Wir haben nicht Macht, in der Kirchen Gottes und in Gottesdienſten zu ordnen oder zu dul⸗ den, was mit Gottes Wort nicht kann beweiſet werden. Wenn das ſoll gelten, ſo wollte ich eben mit dieſem Wort leichtlich alle Geſetze und Ord⸗ nungen Gottes zu Mitteldingen machen. Denn ſo man Ein Mittel⸗ ding in Gottes Wort zuläßt, wer will darnach wehren, daß nicht alles für Mitteldinge gehalten werde?“ (XVI, 1696.) Dazu nehme man die Auslegung der erſten Bitte: „Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird und wir auch heilig als die Kinder Gottes darnach leben; das hilf uns, lieber Vater im Himmel. Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret; der entheiliget unter uns den Namen Gottes; da behüte uns für, lieber himmliſcher Vater.“ Durch dieſe Auslegung allein ſchon wird die ganze Theorie von den „offenen Fragen“ zu Boden geſtoßen. Dieſe Theorie hängt zuſammen mit dem papiſtiſchen Irrthume von der Kirche. Wenn Einer in der Kirche behaupten würde: „Die Naturkräfte, z. B. die Elektri⸗ cität, ſind die Engel, aber die Engel ſind keine Perſonen“, wie würden wir da zu Werke gehen? Würden wir ſagen: „Laßt ihn lehren, denn wir fin⸗ den dieſe Lehre nicht kirchlich fixirt“?? Daraus würde folgen: Alſo müſſen