# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 13 — ſen Stücken falſch lehren dürfen, warum ſollen Andere nicht in andern Stücken falſch lehren dürfen? — Kommen wir nun zu dem zweiten Punkt dieſer Theſis: Es widerſpricht auf das Entſchiedenſte dem Bekenntniß, wenn in einer lutheriſch ſich nennenden kirchlichen Körperſchaft der beliebten Theorie von den „offenen Fragen“ gehuldigt wird, ſo müſſen wir erſt ermitteln, was unter „offenen Fragen“ zu verſtehen ſei. Die Iowaer haben die Lehren von Kirche und Amt, von der Ordination, vom Antichriſt, von den letzten Dingen und vom Sabbath für „offene Fragen“ erklärt und, wenn ihnen das Schriftwidrige ihres Irrthums vor⸗ gehalten wurde, ſo antworteten ſie, man habe ſie nicht verſtanden. Unter „offenen Fragen“ verſtünden ſie ſolche Lehren, um welcher willen keine Kirchentrennung ſtatthaben kann. Aber das heißt nur eine Eigenſchaft der offenen Fragen definiren, aber nicht die offenen Fragen ſelbſt. Offene Fragen ſind ſolche, die jeder beantworten kann, wie er ſich's in ſeinem Ge⸗ wiſſen getraut, weil Gottes Wort keine Antwort darauf ertheilt. Bei faſt jeder Lehre gibt es ſogenannte quaestiones juxta adnatae, Fragen, die nebenbei aufkommen und mit der in Rede ſtehenden Lehre verwandt ſind. Z. B. bei der Lehre von der Erbſünde liegt der Frage: Wie kommt die Erb⸗ ſünde auf das Kind, das bei dem Sündenfall im Paradies nicht zugegen geweſen iſt? die Frage nahe: Wie bekommt das Kind ſeine Seele? Da haben nun einige Kirchenlehrer dafür gehalten, Gott ſchaffe die Seele in dem Kinde, und die heißt man Creatianer; andere, und zwar weitaus die meiſten, haben gemeint, das Kind erhalte ſeine Seele durch Ueberleitung von den Eltern, und die heißt man Traducianer. Das iſt eine offene Frage; denn Gott hat ſie offen gelaſſen, indem er keine Offenbarung dar⸗ über gegeben hat. Solche offene Fragen können nur aus der Vernunft, aus der Erfahrung und aus der Geſchichte gelöſ't werden. Iſt es nun nicht er⸗ ſchrecklich, ja antichriſtiſch, die geoffenbarten Lehren zu offenen Fragen zu machen? Der Antichriſt zu Rom nahm ſich heraus, von gewiſſen Lehren der Schrift zu dispenſiren. Der Teufel hat zuerſt ein beſtimmtes Wort Gottes zu einer offenen Frage gemacht, als er der Eva einredete: „Sollte Gott geſagt haben, ihr ſollt nicht eſſen von dem Baum der Erkenntniß Gutes und Böſes?“ Wo man der Theorie von den „offenen Fragen“ huldigt, da kann keine Lehrzucht geübt werden, und, um der Lehrzucht zu entgehen, ſtellte Iowa dieſe Theorie auf. Weil Iowa Glaubenslehren „offene Fragen“ nannte, waren ihre Colloquenten in Milwaukee nicht bereit, für den Ausdruck „offene Fragen“ Probleme anzunehmen, wiewohl ſie zur Begründung ihrer Stellung ſich immer darauf beriefen, daß in den Symbolen auch Probleme, wie das von der immerwährenden Jungfrauſchaft Marias, berührt würden. Aber das konnte Iowa auch nicht, nämlich für „offene Fragen“ Probleme ſetzen.