# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1879_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 10 — Zucht an den falſchgläubigen Mitgliedern ihrer Gemeinſchaft üben, ſo üben dieſe ſie an den rechtgläubigen zum entgegengeſetzten Zweck. Die Handlungsweiſe ſolcher Kirchengemeinſchaften, die keine Lehrzucht üben und doch den Namen „lutheriſch“ behalten wollen, wurde noch an folgendem Beiſpiele erläutert: Eine Geſchäftscompagnie macht ſich in⸗ mitten einer unehrlichen und betrügeriſchen Zeit auf, ehrliche Geſchäfte zu treiben. Sie ſchreibt über ihre Firma das ſiebente Gebot: „Du ſollſt nicht ſtehlen“, und handelt feſt darnach und gewinnt ſich dadurch allent⸗ halben Zutrauen. Mit der Zeit kommen andere Geſchäftsleute an ihre Stelle, die aber trotz des oben über ſtehenden Gebotes unehrlich an ihren Kunden handeln und auch von ihrem Gewiſſen deſſen beſchuldigt werden. Anſtatt nun aber ihr Schild herabzunehmen, laſſen ſie es ruhig hängen, um dadurch die Leute ſicher zu machen und ſich den Namen zu wahren. Jeder ſieht die Doppelſünde einer ſolchen Handlungsweiſe ein. Machen ſich aber nicht alle Kirchengemeinſchaften, die keine Lehrzucht üben und doch den Namen „lutheriſch“, der dies in ſich begreift und fordert, ſtehen laſſen, derſelben Sünde ſchuldig? Sie laſſen nicht nur das Böſe zu, ſondern ſie thun auch ſelbſt etwas Böſes. Unſere Theſe will alſo im Lichte der voraufgegangenen ſagen: Wenn man keine Lehrzucht übt, iſt es nicht nur vergeblich, daß man ſagt, man habe das Bekenntniß, ſondern es iſt auch eine Lüge, daß man lutheriſch ſein will. Hierzu wurde nachſtehendes Citat aus Luther verleſen: „Die heilige chriſtliche Kirche . . . iſt nicht ein Rohr noch Zahlpfennig. Nein, ſie wan⸗ ket nicht und gibt nicht nach, wie des Teufels Hure, die päbſtliche Kirche . . ., ſondern ſie iſt, ſpricht Paulus 2 Tim. 3, 15., ein Pfeiler und Grund⸗ veſte der Wahrheit. Sie ſtehet feſte, ſpricht er, iſt eine Grundveſte und feſter Grund, dazu nicht ein falſcher oder Lügengrund, ſondern ein Grund der Wahrheit, leuget und trüget nicht, gehet nicht mit Lügen um. Was aber wanket oder zweifelt, das kann nicht Wahrheit ſein. Und wozu wäre nütze oder noth in der Welt eine Kirche Gottes, wenn ſie wollte wanken und ungewiß ſein in ihren Worten oder alle Tage was Neues ſetzen, jetzt das geben, jetzt das nehmen! Ja, wozu wäre ein ſolcher Gott nütze, der uns alſo wollte wanken und zweifeln lehren? Wie der Papiſten Theologia lehret, man müſſe zweifeln an der Gnade; davon ſonſt genug iſt geſchrieben. Denn wo ſonſt die Papiſten in allen Sachen hätten gewonnen, ſind ſie doch in dieſem Hauptſtück verloren, da ſie lehren, daß man zweifeln müſſe an Gottes Gnaden. . . Die Lehre . . . gehöret nicht in das Vater Unſer, da wir ſagen: Vergib uns unſere Schuld! denn ſie nicht unſers Thuns, ſondern Gottes ſelbſt eigen Wort iſt, der nicht ſün⸗ digen, noch unrecht thun kann. Denn ein Prediger muß nicht das Vater⸗ unſer beten, noch Vergebung der Sünden ſuchen, wenn er gepredigt hat