# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 59 — darauf beſtehen zu müſſen, daß Miſſionar Döſcher Anfangs Januar ſeine Rundreiſe wieder aufnehme, und bat Herrn P. Obermeyer in Little Rock, daß er mit Hülfe etlicher Glieder der Gemeinde das Miſſionswerk fortſetze. Da ſich jedoch die desfallſigen Bemühungen der lieben Brüder als unzureichend erwieſen, ſo glaubte Ihre Behörde den Bitten Miſſionar Döſcher's und der berathenden Miſſionscommittee in Little Rock nachgeben und einen zweiten Miſſionar berufen zu müſſen, und wandte ſich daher an die ehrwürdigen Präſides der Anſtalten zu Columbus, Springfield und St. Louis mit der Bitte, wenn ſich unter ihren Abiturienten eiu paſſender Mann fände, den⸗ ſelben vorſchlagen zu wollen. In Folge deſſen wurde zuerſt Student Zahn vom Seminar in Springfield vorgeſchlagen und berufen. Da es ſich aber herausſtellte, daß Herr Zahn „eine ungemein ſtarke Antipathie gegen Farbige“ habe, ſo daß es ihm „faſt unmöglich iſt, mit ihnen zu verkehren“, glaubten wir von demſelben abſehen zu müſſen, und beriefen Student F. Berg vom Seminar in St. Louis mit $600.00 Gehalt jährlich, welcher dann auch nach wohlbeſtandenem Examen ſein Amt bald nach Oſtern antrat, und nun im Segen arbeitet. Am 15. Juni durfte er einen noch ungetauften Neger eine halbe Stunde vor deſſen Tode, nach vorhergegangenem Unterricht und auf herzliches Verlangen des Betreffenden auf das Bekenntniß des Glaubens an JEſum Chriſtum taufen und Tags darauf chriſtlich beerdigen. Das war alſo die erſte lutheriſche Negertaufe und Negerleiche unſerer Miſſion. „Nach Miſſionar Berg's Bericht ſind die Neger keineswegs ſo unbeſtän⸗ dig, als man gewöhnlich annimmt. Er ſagt vielmehr von ihnen: ‚Gefällt dem Neger Prediger und Predigt nicht, ſo iſt er durch nichts zu gewinnen, hat er aber einmal dieſelben lieb gewonnen, ſo geht er für ſeinen Paſtor und Kirche, wenn nöthig, durchs Feuer.‘ Die Neger ſind in Little Rock ſtark vertreten, es gibt deren daſelbſt etwa 6000, von denen zwei Fünftheile Heiden oder doch kirchlos ſind. Auch in der Umgegend, woſelbſt Miſſionar Berg jetzt auch noch einen Predigtplatz hat, gibt es viele Neger. Auch die Metho⸗ diſten, Episcopalen und Römlinge fangen jetzt an, mit Eifer in Little Rock zu miſſioniren. „Da es nach Verſicherungen Herrn Miſſionar Berg's ſelbſt, wie auch der Herren Paſtoren Obermeyer und Niemann und der dortigen berathenden Miſſionscommittee zum Gedeihen des Miſſionswerkes daſelbſt unbedingt nöthig erſcheint, eine eigene Kirche zu bauen, und dieſelbe für etwa $350.00 hergeſtellt werden könnte auf einem gemietheten Grundſtück, welches $60.00 Pachtzins jährlich koſten würde, ſo entſchloß ſich Ihre Miſſionsbehörde auf Rath der in St. Louis abgehaltenen Delegaten⸗Synode, in Gottes Namen zum Bau der erſten ev.⸗luth. Negerkirche in Amerika zu ſchreiten, obgleich ſich die Koſten derſelben auf etwa $200.00 mehr belaufen, als erſt angegeben, wo⸗ bei dann aber das Gebäude zugleich zwei Wohnzimmer für den Miſſionar enthält, die ſpäter leicht zum Kirchraum genommen werden können, wenn er⸗ wünſcht. Die erſte ev.⸗luth. Negergemeinde iſt bereits in Little Rock or⸗ ganiſirt und Miſſionar Berg von derſelben als Paſtor berufen.