# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 51 — 1. Wenn nun aber Jemand trotz aller Belehrung doch die Schrift⸗ widrigkeit der Schwagerehe nicht einſehen könne und auf ſein Gewiſſen er⸗ kläre: er ſehe kein Unrecht darinnen, was man mit einer ſolchen Perſon thun ſolle? Antwort: man muß es ſeinem Gewiſſen überlaſſen. Aber, wohl zu merken! ein Prediger ſoll nun nicht denken: weil die Perſon es nicht ein⸗ ſehen kann, deswegen will ich ſie trauen. Nein! Du ſollſt die Perſon des⸗ wegen nicht verdammen, aber doch ſollſt du dich ihrer Sünde nicht theilhaftig machen. Durch beigegebenes Bedenken Speners wurde dies weiter be⸗ leuchtet: „Was die beigelegte Frage anlangt, ſo achte ich in meiner Einfalt, daß ein Beichtvater, nachdem er alles gethan, was er nach ſeinem beſten Wiſſen zu Abwendung desjenigen, was er in ſeinem Gewiſſen unrecht zu ſein ſorget, dienlich erkannt, ſolches aber in die Herzen nicht dringt, ſondern dasjenige, was dieſelben für ihre Meinung gefaſſet, bei ihnen die Obhand behält, wohl möge die Abſolution ertheilen. Denn wir ſind nicht Herren über un⸗ ſerer anvertrauten Seelen Glauben, ſondern dero Gehilfen. Wie ich nun in anderen Stücken, die in facto beſtehen, worüber ich mit dem Beicht⸗ kind handle, ob ich ſchon ſtarke praesumtiones auf das Gegentheil habe, da ſich dieſes auf ſein Gewiſſen beruft, dabei auch beruhen und es dem HErrn überlaſſen muß: ſo gilt dieſes nicht weniger, da es eine quaestio juris iſt, daß nemlich, — wo wir nicht das unhintertreibliche und klarſte Wort Gottes, ſo die Gewiſſen allein mit genugſamer Kraft überzeugt, den⸗ ſelben vor Augen legen können, ſondern es dahin kommt, daß man der Con⸗ ſequenzien, und zwar ſolcher Conſequenzien, welche ſtarken exceptionibus unterworfen, bedarf —, wir ſie nicht weiter zu nöthigen vermögen, als wie viel ſie ſich von dem göttlichen Willen überzeugt zu ſein finden. Da ſie alſo, daß dieſes Gottes Gebot ſei, nicht bei ſich ſelbſt erkennen können und ſolches nicht aus einer bloßen Hartnäckigkeit und nicht ohne Vorlegung ſtarker Mo⸗ tiven, welche wir ſelbſt nicht ſo gar unerheblich, obwohl die gegenſeitigen ſtärker achten, geſchiehet: ſo geht unſere Gewalt nicht weiter und müſſen wir's dem HErrn befehlen, der allein die Herzen in Händen hat und dieſelben feſt machen kann. Ich erinnere mich dabei gern der Worte Pauli 1 Kor. 7, 6. 8. 10. 25. 40., wo er eine ſolche Meinung führt, welche mit dergleichen Gründen befeſtigt wird, die dem Willen des HErrn allerdings gemäß ſind, indeſſen weil er keinen auedrücklichen Befehl des HErrn aufzuweiſen hatte, ſo will er den Gewiſſen keinen weitern Strick anwerfen. So viel weniger hät⸗ ten wir, da wir alle ein geringeres Maaß des Geiſtes empfangen haben, als der theure Apoſtel, unſere Gewalt weiter zu extendiren, als daß wir, wo das Gebot des HErrn nicht ganz unleugbar vor Augen ſtehet, unſere Meinung geben und dieſelbe, ſo gut wir vermögen, beſtätigen, nächſtdem aber den Ge⸗ wiſſen ſelbſt die Sache überlaſſen, welche ſonſt, wo wir weiter gehen wollten, angeſtrengt würden, ſich nicht nach göttlichem Gebot (denn ſolches erkennen ſie in der Sache nicht), ſondern nach unſerem Befinden zu richten. So iſt's