# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 48 — einer hat ſeines verſtorbenen Weibes Schweſter Tochter geehlichet ꝛc. Der weltlichen Obrigkeit wird dieſes Falls billig ihre Strafe vorbehalten. Wir reden aber allhie, was die Conſiſtorien in ſolchen und dergleichen Fällen, ſo ſich in der Seitenlin ie zugetragen, wegen der Perſonen Gewiſſen ſprechen oder in Acht haben ſollen. Darauf haben wir unſer einfältiges Bedenken vermeldet. Anno 1561 haben die Theologen zu Wittenberg und Frankfurt a. d. O. in ſolchem Fall Bedenken gefaſſet, daß einer vom Adel, welcher ſeiner Mutter Schweſter geehelicht und wegen ſolcher ſchweren Mißhandlung aus Ihrer Churfürſtlichen Gnaden Land verwieſen, ſich in eine andere Stadt ge⸗ ſetzt; daher ein Widerwille entſtanden; das Miniſterium desſelbigen Orts hat ſolche Leute nicht wollen zur Beichte und hochwürdigem Sacrament zu⸗ laſſen, auf die Eheſcheidung gedrungen und den Bann oder Excommunication wollen wider ſie vornehmen. Die Perſonen haben einander nicht wollen ver⸗ laſſen und, ihren Gewiſſen zu rathen, bei vielen Theologen Conſilia geſucht. Denn wenn dieſe Perſonen, ſo gegen das göttliche Recht contrahirt, wollen einander gutwillig verlaſſen und Buße thun, ſo ſind ſie ohne Zweifel hieran nicht zu hindern; auf ſolchen Fall können ſie anderwärts (mit einer andern Perſon) gebührlich zu verehelichen erlaubet werden. Aber wenn ſie wollen bei einander bleiben, die Obrigkeit, darunter ſie ſich begeben, thut ſie auch dulden: hierin ſtimmen etlicher Theologen Bedenken zuſammen, daß ſolche Ehe nicht zu ſcheiden, ſo die Perſonen ihre Sünde erkennen, Reu und Leid darob haben, ſich zu wahrer Buße richten; dieſelben auch von der Communion oder chriſtlichen Gemeine mit der Excommunication mit nichten auszuſchließen; trotzdem, daß der Apoſtel an die Korinther den, ſo ſeine Stiefmutter geehelichet, excommunicirt hat; denn ſolche Verbrechung iſt in auf⸗ und abſteigender Linie geweſen; wir aber reden allein von der Seitenlinie vom andern Grad ungleicher Lin ie. Auf dieſe vorgehende Meinung haben unſere Vor⸗ fahren und wir der Gewiſſen halben geſprochen und ſind die fürnehmſten Urſachen, wie folget. Denn erſtlich iſt aus Moſe klar zu befinden (welcher 3 Moſ. 18. die Grade verboten), daß er im 20. Capitel des 3. Buchs Moſis ſolche Perſonen, welche de facto in verbotenen Graden contrahirt haben, mit nichten thut von einander ſcheiden. 3 Moſ. 20, 21. verbeut er ſeines Bruders Weib und Vers 20. ſeines Vaters Bruders Weib; da er ſpricht: Sie ſollen ihre Sünde tragen, ohne Kinder ſollen ſie ſterben. Aus dieſem iſt klar, daß Moſes die verbotene Ehe, wenn ſie de facto erfolget iſt, nicht will ſcheiden oder zerreißen, ſondern den Fluch, daß ſie ohne Kinder ſterben ſollen, auf ſie geleget. Die Juriſten haben eine feine Regel: Vieles wird anfänglich leichter gehindert, als, wenn es geſchehen iſt, aufgehoben (wie vom Eid). Die Leibes⸗ ſtrafe, ſo in Churfürſtlicher Ordnung auf diejenigen, welche im erſten Grad oder im andern ungleicher Linie ſich verehelichen, geſetzt iſt, gibt den Con⸗ ſiſtorien nichts zu ſchaffen.‘ (Dedekennus a. a. O. fol. 343. ff.) Im Jahre 1659 antwortete die Wittenberger theologiſche Facultät auf die Frage: ‚Ob Georg N. und ſeine Urſula, nachdem ſie die Dispen⸗