# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S221 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 221 Predigten sowohl als auch in vielen Abhandlungen der späteren Bücher des wahren Christenthums gar manches findet, was so, wie es gesagt ist, sich mit dem Bekenntnisse unserer Kirche und also mit dem lauteren Worte Gottes nicht reimt: so sind wir als lutherische Lehrer dies auszusprechen verpflichtet, wo wir nur einen Beruf dazu haben, und wir werden dadurch den Segen, den Arnd heute noch in der Kirche stiftet, nicht vermindern, sondern nur ver- mehren. Arnd's Schriften, die allerdings voll Geist und wahrer Andacht sind, ermangeln doch der scharfen Genauigkeit in der Darlegung der Lehre, aber nicht weil Arnd ein falscher Lehrer gewesen wäre, sondern weil dem sonst so reich begabten Gottesmanne gerade in diesem Stücke nicht die theologische Schärfe eines Chemnitz oder Johann Gerhard verliehen war, und er darum auch zwischen dem Aechten und Unächten in den in seiner Zeit gangbaren Ideen nicht immer so haarscharf zu scheiden vermochte, wie es von einem Theologen, der in der Lehre als ein Muster aufgestellt werden soll, gefordert werden müßte. Kurz, Arnd's Schriften enthalten neben einer Fülle reinen Goldes auch Schlacken. Wir aber wollen unsern Glauben auf das reine Gold d. i. auf die reine Lehre des Wortes Gottes gründen, und wenn uns deshalb der Kirchenbote erklärt: „Die Missourier scheinen einen andern Geist zu haben als wir“: so ist es seine Sache, wenn er seinen Glauben auf die Schlacken bauen will. Wir bleiben also dabei, daß in Bezug auf das Vor- bild der Lehre unsere Losung ist und sein wird: Nicht Arnd, sondern Luther! Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Das Missionary Institute soll nach einem vom Board of Managers gefaßten definitiven Beschluß nach Selin's Grove, Snyder Co., Pa., locirt worden. Die Synode von Pennsylvanien, versammelt zu Easton, Pa., am 31. Mai d. J. und die folgenden Tage, passirte u. A. nicht nur in Betreff der im vergangenen Sy- nodal⸗Jahre verstorbenen Pastoren J. N. Hoffmann's von Reading und Dr. P. E. Mayer's von Philadelphia, sondern auch in Betreff unsers unvergeßlichen A. Biewend's Beschlüsse zu ehrendem Andenken an dieselben. Der Vorschlag, die englische Sprache mit der deutschen in gleichen Rang zu stellen, wurde fast ohne Discussion einstimmig angenommen. Bisher nehmlich war die Sprache der Synode die deutsche. Die Synodalverhandlungen, die Pro- tokolle ꝛc. mußten der Constitution gemäß in deutscher Sprache geführt werden. Und ob- gleich seit einigen Jahren Glieder das Privilegium erhielten, englisch zu sprechen, so geschah dies doch lediglich vermöge einer gewissen Toleranz und Höflichkeit. Jedes Glied, welches mit der deutschen Sprache nicht vertraut ist, kann es nun als ein constitutionelles Recht for- dern, daß eine englische Uebersetzung aller Beschlüsse, Protocolle ꝛc. gefertigt werde. Der Vorschlag, alles auszustreichen, was sich in Betreff der licenzirten Candidaten in der Ministe- rial⸗Ordnung finde, so daß inskünftige das Ministerium lediglich aus ordinirten Kirchendie- nern bestehen und alle würdigen Applicanten zur Ordination zugelassen werden, wurde nach längerer Discussion durchgesetzt mit 44 Ja's gegen 22 Nein's. Der Vorschlag, den Gebrauch zu mißbilligen, daß Pastoren junge Männer unterweisen, welche in das Amt zu treten beab-