# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — res Wort Gottes zu einem andern Verſtand nöthigte. Daß der Verwandt⸗ ſchaftsgrad, welcher hier mit שְׁאֵר בּשָׂרוֹ, Fleiſches Fleiſch, bezeichnet iſt, an anderen Stellen der Schrift durch das bloße שְׁאֵר ausgedrückt wird, kann uns nicht beirren. Jeder Deutſche weiß, daß des Schwagers Schwager bei uns oft Schwager, des Bruders Bruder, nämlich des Stiefbruders Bruder, oft Bruder genannt wird. Käme aber in einer ſolchen Regel der Ausdruck Bruders Bruder vor, ſo wäre es ja wunderlich, wenn man annehmen wollte, weil zuweilen, wo Bruder geſagt ſei, des Bruders Bruder gemeint ſei, ſo könne man umgekehrt hier, wo Bruders Bruder geſagt ſei, jeden Bruder ver⸗ ſtehen. Denn jeder Bruders-Bruder iſt in gewiſſem Sinne mein Bruder; nicht aber iſt jeder Bruder auch Bruders Bruder. Ebenſo iſt es mit dem Ausdruck „Fleiſches Fleiſch“: zwar meines Fleiſches Fleiſch iſt immer in gewiſſem Sinne mein Fleiſch; nicht aber iſt umgekehrt mein Fleiſch immer auch meines Fleiſches Fleiſch. Der HErr will offenbar ſagen: Nicht nur dein Fleiſch zu ehelichen, habe ich dir verboten, ſondern auch deines Fleiſches Fleiſch. Und es hat der Heilige Geiſt dieſen Doppelausdruck wohl darum gewählt, weil er anzeigen wollte, daß jemand auch durch ein Mittelglied, eine Mittelperſon, mit einer andern Perſon verwandt werden kann, und daß eine ſo verwandte Perſon nicht zur Ehe genommen werden ſoll. Uebrigens dürfte es wohl ſchwer halten, den Beweis zu liefern für die Behauptung, daß 3 Moſ. 20, 19. die Tante des Neffen Fleiſch (שְׁאֵר) genannt ſei. Denn dieſe Auffaſſung der Stelle kann auf einer unrichtigen Beziehung der Worte „ſein Fleiſch“ beruhen. Sie erklärt dieſelben als gleichbedeutend mit ſein eigen, d. h. des Neffen, Fleiſch und faßt Luthers Ueberſetzung ſo auf: „denn ein ſolcher hat ſeine eigene nächſte Blutsfreundin aufgedeckt.“ Allein hier iſt einfach vorausgeſetzt, daß das Fürwort ſein (das hebräiſche Suffix (וֹ) ſich auf den aufdeckenden Neffen beziehe. Der wichtige Beweis dafür aber, daß und warum dieſe Beziehung ſtattfinden müſſe, fehlt gänzlich. Vielmehr iſt unter „ſeinem“ Fleiſch nicht des Neffen, ſondern des unmittelbar vorher genannten Vaters Fleiſch gemeint, eine Beziehung, die um ſo ungezwungener erſcheint, als im hebräiſchen Text das von Luther — übrigens mit Recht — eingeſchaltete Wort „ein ſolcher“ gar nicht ſteht. Wörtlich überſetzt lauten die Worte nach unſerer Erklärung ſo: Und die Scham der Schweſter deiner Mutter und der Schweſter deines Vaters ſollſt du nicht aufdecken; denn ſein (d. h. ſeines Vaters) Fleiſch hat er (der Auf⸗ deckende, oder mit Luther ein ſolcher) aufgedeckt. Ihre Miſſethat ſollen ſie tragen. Daß dies die richtige Beziehung von „ſein Fleiſch“ iſt, ergibt ſich aus folgenden Gründen: 1. aus der Wortſtellung; denn man leſe die Worte nach der hebräiſchen Wortſtellung, ſo iſt die Beziehung auf das eben geleſene, alſo bekannte, „Vater“ natürlicher und ungezwungener als auf das erſt folgende, im Zeitwort verſteckte, Subject er oder ein ſolcher; 2. aus der offenbaren Bezugnahme dieſer Stelle auf 3 Moſ. 18, 12. u. 13.; denn hier ſteht ja ausdrücklich, daß deines Vaters Schweſter das Fleiſch (שְׁאֵר) bei⸗ [Punktierung teilweiſe unleſerlich]