# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 30 — „Wo wir auf die allgemeine Regel V. 6. (3 Moſ. 18.) gehen, da es heißet: ‚Niemand ſolle ſich zu ſeiner nächſten Blutsfreundin thun‘, eigentlich ad carnem (s. reliquias) carnis suae; ſo iſt das secundum genus affini- tatis allerdings zugelaſſen. Denn es werden nicht mehr, als diejenigen Per⸗ ſonen, einander verboten, da eine das Fleiſch des andern Fleiſches iſt; oder deutlicher: mir wird niemand weiter verboten, als mein Fleiſch und alſo meine Eltern, Kinder und Nachkömmlinge und Geſchwiſter, ſodann deroſelben Fleiſch, entweder nach der Blutsfreundſchaft oder Schwägerſchaft, nemlich derſelben Geſchwiſter und Ehegatten. Was aber weiter gehet und müßte heißen caro carnis carnis meae und eine doppelte Ehe dazwiſchen kommt, wie das secundum genus affinitatis mit ſich bringt (indem des Stiefvaters Fleiſch iſt ſeine verſtorbene Hausfrau, dero Fleiſch ihr auch ver⸗ ſtorbener Sohn, da hingegen deſſen Wittwe nunmehr des Fleiſches Fleiſches Fleiſch ſein würde), ſtecket nicht mehr in dieſem allgemeinen Verbot Gottes durch Moſen und kann alſo auch nicht von Gottes Seiten für verboten geachtet werden.“ (Theol. Bedenken. II, 523.) Ebenſo verfährt Spener in einem andern Gutachten über den Fall, da eine hohe Standesperſon ihrer vorigen Gemahlin leibliche Schweſter zu heirathen vorhatte. Er ſchreibt: „So iſt nun das erſte Fundament meiner Negativae der göttliche allgemeine Befehl aus dem 3 Moſ. 18, 6.: ‚Niemand ſoll ſich zu ſeiner nächſten Blutsfreundin thun ꝛc.; . . . denn ich bin der HErr‘; welcher (letz⸗ terer) Zuſatz insgemein zu denjenigen Geſetzen pflegt gethan zu werden, in dero Uebertretung die göttliche Majeſtät ſich ſonderlich beleidigt achtet. Was aber hier ‚nächſte Blutsfreundin‘ gegeben wird, heißt eigentlich in der Grundſprache des Geſetzes: niemand ſolle ſich thun zu dem Fleiſch ſeines Fleiſches oder reliquiis ſeines Fleiſches; und alſo verbietet mir der HErr darinnen diejenige, welche meinem Fleiſch die Nächſte, folglich die, ſo aus meinem Fleiſch geboren ſind, oder von dero Fleiſch ich geboren bin, oder die mit mir aus einem Fleiſch geboren ſind; welches wir ſehen werden, daß es ganz mit den abſonderlich in dem göttlichen Geſetz benamſten Graden über⸗ einkommen wird. Daß alſo verboten ſind die Oberen und Unteren, ſodann Geſchwiſter und der Eltern Geſchwiſter, welche unſers Fleiſches Fleiſch ſind; nicht aber geht ſolches Verbot weiter auf diejenigen, welche unſers Fleiſches Fleiſches Fleiſch ſind. Wie nun ſolches richtig, und ſo fern etwa nicht disputirt wird in der Blutsfreundſchaft ſelbſt, ſo hat es nicht weniger Platz in der Schwägerſchaft, alldieweil Eheleute ein Fleiſch ſind, Matth. 19, 5. aus 1 Moſ. 1, 24. Daher in allen Rechten dieſe allgemeine Regel, daß mir meines Weibes Blutsfreunde eben in dem Grad durch Schwägerſchaft an⸗ gehören, gleichwie meine eigenen, angenommen wird und auf ſolchem Grund feſt beruht. Wie denn abermal die Exempla der abſonderlichen göttlichen Verbote erweiſen. Maßen verboten werden in dem erſten Grad in auf⸗ und abſteigender Linie des Vaters Weib, die Schnur, des Weibes Tochter und