# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 28 — man aber nicht dagegen andere folgende Bücher auch mögen anſehen, da ſolchs corrigirt oder, ſo mans ſagen wollt, renovirt iſt?“ (Luthers Briefe, heraus⸗ gegeben von de Wette. V, 606. f. Vgl. Luthers Werke, Hall. A. XXI, 1570.) Zum andern dürfte es von Nutzen ſein, zu erfahren, wie es doch ge⸗ kommen ſei, daß, nachdem uns Gott dieſe Wahrheit hat erkennen laſſen, die jetzt ſo vielfach vertretenen irrigen Anſichten Eingang und Verbreitung ge⸗ funden haben. Und da findet man denn daß die Abſichten hoher Perſonen, ſolche Ehen zu ſchließen, zuerſt Rechtsgelehrte und Theologen, welche von ſolchen Herren zu Rathe gezogen wurden, und die ſich dadurch bei ihren Herren in Gunſt ſetzen oder erhalten wollten, veranlaßt haben, ſolche Ehen für zuläſſig zu erklären. Ausführlicher ſchreibt darüber V. E. Löſcher: „Die Frage über des verſtorbenen Weibes Schweſter ſcheint die erſte und meiſte Gelegenheit gegeben zu haben, daß Etliche das Verbot auf die Perſonen allein eingeſchränkt. Wenn man aber die Geſchichte dieſer Controverſe anſieht, ſo iſt der Zaun erſt großen Herren zu gefallen durchbrochen worden und hat alſo das Vorurtheil des Fleiſches, hier des üppigen, dort um ſeines Vortheils willen ſchmeichelnden, den Anfang gemacht. Bucholtzer, Bruckner und zuletzt die Oettingenſes haben außer allem Zweifel großen Herren zu gefallen geſprochen. Es geht damit eben, als beim Abfall vom Evangelio: wenn ein Herr erſt durch Wollüſte oder Staatsabſichten in ſeinem Herzen abgefallen, ſo ſucht er ſowohl ſein Gewiſſen ſelbſt einzuſchläfern, als auch vor der Welt dem Abfall einigen Schein zu geben; ſtellet daher Colloquia an, oder läßt Fragen und Dubia an die ergehen, deren Heuchelei er insgemein ſchon verſichert iſt; und damit man's nicht ſo leicht merke, wird auch wohl ein und anderer Redlicher mit eingeſchoben; alsdann ſoll die Ueberzeugung ſicher ſein. So geht es in verbotenen Ehen. Erſt ſiegt das Fleiſch in der Neigung, Begierde und Vorſatz; den ſucht es zu rechtfertigen, und wünſcht, das göttliche Verbot möge einen andern Sinn haben; endlich wird es ſtärker und determinirt die gefangene Seele, ſolchen Sinn wirklich anzunehmen; hierauf ſucht es wider den allgemeinen Sinn ſich zu befeſtigen und zu beſchönen durch Beipflichtung Anderer. Nun iſt nichts in der Welt ſo fleiſchlich und ſündlich, welches nicht durch Schmeichelei approbirt würde. Das Fleiſch iſt argliſtig und ſieht ſich vorher wohl um, wo es ſich des Con⸗ ſenſus verſichern darf; da fällt es hin und, wenn es nur Einen erhalten, ſo ſtopft es gegen allen noch ſo gründlichen Widerſpruch die Ohren zu, damit es in ſeiner Sicherheit nicht irre gemacht werde. Das iſt wohl die erſte Quelle, dadurch das göttliche Verbot in unſerer Kirche verkehrt worden. Als Herzog Auguſtus Philippus in Holſtein auf dieſen Weg gerieth (1650), hätte er wohl keinen lutheriſchen Theologen angetroffen, der (ſich) ſeiner Intentio gefügt (hätte). Er hatte aber wohl von einem und anderem Jurisconſulto gehört, daß ſie dem Gewiſſen am erſten die Schranken eröffnen würden. So mußte es Bucholtzer zu Rinteln ſein, der einem großen Herrn nach ſeinem