# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S21 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 21 — mich, daß dieſe Gründe den großen Schriftausleger Dr. A. Calov nicht haben bewegen können, jener Meinung ohne allen Zweifel zuzuſtimmen, ſonderlich da Grotius nicht in Abrede ſtellt, daß dies die conſtante Meinung der Karaiten von dieſer Stelle ſei, welches, obgleich es heutzutage ein kleiner Haufe der Juden iſt, doch ſtets eine beſondere Secte der Juden war, in die das ganze Judenthum neben den Rabbaniten zertheilt iſt, die nemlich einzig und ſtreng am Buchſtaben der Schrift hangen. Es darf auch Niemanden der gewöhnliche Einwurf irre machen, daß alles Uebrige in dieſem Capitel eigentlich genommen werde. Denn diejenigen Redeformen, welche in ſprüch⸗ wörtlicher Rede einmal alle eigentliche Bedeutung verloren haben, wenn z. B. die Lateiner ſagen: ‚Ab ovo ad mala‘ d. i. vom Ei bis zum Obſt, die Ebräer: ‚Sein Weib erkennen‘, und ähnliche, ſo werden ſie darum nicht wie⸗ der zu eigentlichen Redeweiſen, ſelbſt wenn ſie mit noch ſo vielen anderen eigentlich genommenen Redeformen verbunden werden. Noch weniger ſteht dem entgegen, daß man bei Clericus und anderen Vertheidigern der gegen⸗ theiligen Meinung gemeiniglich ſich auf die ſtete Praxis der Juden und auf den (mit derſelben) übereinſtimmenden Sinn dieſer Stelle beruft. Denn wenn das ganze Judenvolk im Sinne der erſten Einſetzung der Ehe betreffs der Unauflösbarkeit des Ehebandes, wie dies Chriſtus zeigt, irren konnte, was iſt's Wunder, daß alle Juden im Sinne derſelben Einſetzung ebenſo wie in dem der Stelle des Leviticus betreffs der Einſchränkung der Ehe nur auf zwei Perſonen irren? Und da dieſe und zwar auf ſo ſtarken Gründen ruhende Meinung die der bedeutendſten Theologen von Hafenreffer an ge⸗ weſen iſt, ſo muß der nicht ſowohl die Beſcheidenheit, als die Vernunft ab⸗ legen, welcher eben dieſelbe den Orthodoxen (das Wort, wie gewöhnlich, zum Spott gebraucht) und den Sectirern, welche die Theſis nur deßwegen feſt⸗ hielten, damit ſie nicht als fallibile Päbſte erſchienen, zuſchreiben wollte.“ (Philocalia sacra. 1717. p. 49 sqq.) Es vertheidigt dieſe Auslegung auch Dannbauer in ſeiner Theologia casualis p. 266. Aehnlich redet die Leipziger Facultät in einem Gutachten vom Jahre 1695; es heißt daſelbſt: „Daß man vorgeben wollen, es ſei, des ver⸗ ſtorbenen Weibes Schweſter zu heirathen, Lev. 18, 14. ex paritate gradus nicht absolute verboten, weil V. 18. eine expressa limitatio dabei ſtehe: ‚Weil ſie noch lebet‘; dahero zu ſchließen, daß ſolche nach ihrem Tode zu⸗ gelaſſen: ſolches rühret ex ignorantia idiotismi linguae sanctae und da⸗ her entſtehender mala interpretatione textus her, kraft welches idiotismi das V. 14. ex paritate gradus ergangene Verbot V. 18. nicht limitirt, ſon⸗ dern ein ganz neues Verbot der bigamiae und polygamiae simultaneae vorgeſchrieben wird. Allermaßen der Haupttext zwar von Wort zu Wort alſo lautet: ‚Und ein Weib zu ihrer Schweſter ſollſt du nicht nehmen, zu ängſtigen, ihre Schande zu blößen, über ſie, weil ſie lebet‘; aber vermöge des idiotismi hebraeae linguae keinen anderen Verſtand haben kann, als dieſen: ‚Du ſollſt kein Weib zu deinem Weibe nehmen, ſie zu ängſtigen‘ ꝛc.