# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — gelehrten Ausſprüche, als welche dieſen Geſetzen beiſtimmig. . . . Unſere Meinung iſt dieſe: daß, was das wahre Vernunftlicht und Naturgeſetz, aller klugen Heiden Herzen eingepflanzt, dictirt, ſei den Sittengeſetzen zuzu⸗ zählen.“ . . . Dieſer Beweis iſt ebenfalls von großer Wichtigkeit. Alle die moſaiſchen Geſetze treffen wir, etwa Fälle, wie das Verbot der Baſe, ausgenommen, auch in heidniſchen Geſetzbüchern; das haben ſie aus dem natürlichen Gefühl. Und wenn auch nicht geſagt ſein ſoll, daß alle heidniſchen Völker dieſe Geſetze haben, ſo iſt doch ſchon der Umſtand, daß einige Völker, während ſie nichts von Moſe wußten, dieſe Geſetze gemacht haben, ein ſchlagender Beweis dafür, daß dieſe Geſetze nicht Ceremonialgeſetze ſein können, ſondern Moralgeſetze ſein müſſen. Merkwürdig iſt, daß unſere beiden größten Theologen, Luther und Brenz, zuerſt den unſrer Theſe entgegengeſetzten irrigen Standpunkt eingenommen haben, dann aber anderer Ueberzeugung geworden ſind, und zwar Luther ſo plötzlich und ſo entſchieden, daß er, während er noch im Jahre 1530 nicht nach den Graden rechnen wollte, noch in demſelben Jahre Folgendes ſchrieb: „Ich halte, mein lieber Spalatine, ihr werdet euch noch wohl wiſſen zu erinnern, daß ich euch mein Bedenken allbereit angezeigt habe in der Sache, da Einer ſeines Vettern Eheweib gefreiet, nemlich daß ich ſolche Ehe mit gutem Gewiſſen nicht könne billigen als recht, weil ſie ausdrücklich nicht allein wider Moſis Geſetz (welches nicht ſowohl für Moſis, als für ein recht natürlich Geſetz [non tam Mosis, quam naturae] wird angeſehen), ſondern auch wider beſchriebene Kaiſerliche Rechte und Ordnung iſt. So wiſſet ihr, daß Unwiſſenheit und Betrug nicht entſchuldigt; deßgleichen, daß ſie lange bei einander geweſen und zu Hauſe geſeſſen ſind. Iſt nicht genug, daß ich mein Gewiſſen mit ſolchem Vornehmen und That wollte beſchweren; er thue, was er meinet, frage aber mich nicht darum, noch nehme mich zu Rath. Mich beweget der Spruch St. Pauli 1 Cor. 5, 1. ff., der um deß⸗ willen, daß Einer ſeine Stiefmutter gefreiet hatte, ſo erbremſt und zornig iſt (sic æstuat), daß er das bei Chriſten nicht Ehen genannt haben will, was auch unter den Heiden nicht dafür gehalten wurde, und es eine mehr als heidniſche Hurerei nennt und ſcheidet. Dasſelbe würde er auch in dieſem Falle gethan und es eine mehr als heidniſche Hurerei genannt haben, weil es im Brauch und in Rechten unſerer Völker auch kein ſolch Exempel nicht iſt und ein lauterer Mißbrauch evangeliſcher Freiheit ſcheint. Ich zwar wollte dieſem guten Manne gern und mit Willen dienen, und zu Gefallen ſein, daß ich dieſer gemeinen Regel folgete: Viel taugt nicht, noch iſt recht, das doch, wenn's geſchehen iſt, gehalten und geduldet wird; aber das Gewiſſen und die neue That läßt mich ungewiß ſtecken. Habt alſo mein Bedenken und endliche Meinung davon. Gehabt euch wohl im HErrn und bittet für uns. Den 3. Martii 1530.“ (XXII, 1757. f. Vgl. das lat. Original in de Wette. III, 554.)