# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S218 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 218 Das Lutherdenkmal in Worms. „Amerika“ also: „Wenn man sich eine lebendige Anschauung von den schauerlichen Verwüstungen machen will, welche der Unglaube und Rationalismus seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts im deutschen Volke, besonders in Baden, Rheinbayern, den hessischen und sächsischen Ländern und mehreren Schweizercantonen angerichtet hat, so darf man nur die Auswanderungszüge in den europäischen oder amerikanischen Seehäfen beobachten, oder in die deutschen Bierkneipen und Spielhöllen von New York, Philadelphia, Cincinnati, New, Orleans gehen, oder die deutsch⸗amerikanische Zeitungsliteratur durchblättern. Da muß man sich des deutschen Namens schämen, und kann sich oft des trostlosen Gedankens kaum erwehren, daß Gott diese Nation verlassen habe, weil sie ihn verließ.“ (Freimund.) Das Lutherdenkmal in Worms. Das Wormser Comite zur Errichtung eines Lutherdenkmals läßt mit Genehmigung des hohen Ministeriums des Cultus durch die Pfarrer auch in Sachsen collectiren. Da dürfen wir nun auch wohl voraussetzen, daß die an der Spitze des Vereins stehenden ehrenwerthen Männer in einer Sache, für welche sie die öffentliche Theilnahme in Anspruch nehmen, auch das öffentliche Urtheil gern und von verschiedenen Seiten hören werden. Im Nachfolgenden spricht nur ein Einzelner sein Urtheil aus, aber er meint, daß er damit nicht allein steht. Es will des Denkmalbauens schier zu viel werden im lieben Deutschland. Daß ein Volk seine verdienten Männer auch in dieser Weise ehren und hier die bildende Kunst eine ihrer schönsten Aufgaben lösen kann, soll ja nicht in Abrede gestellt werden. Und wenn dabei auch oft ein Cultus des Genius, eitle Selbstbespiegelung und ein lächerliches Spießbürgerthum im Spiele ist — denn bald wird jedes Krähwinkel seinen großen Mann und sein Denkmal haben wollen —; so soll der Mißbrauch doch den rechten Brauch nicht wehren. Fraglicher freilich ist es, ob es angemessen sei, christlichen Glaubenshelden stolze Denkmäler in Stein und Erz zu errichten. Man hat in dieser Beziehung öfter und gewiß nicht mit Unrecht auf fromme und milde Stiftungen als auf eine viel entsprechendere Weise, das Andenken solcher Männer zu ehren, hingewiesen. Was Luther insbesondere betrifft, so ist ein prunkendes Denkmal entschieden wider seinen Sinn und man könnte es füglich bei dem Wittenberger Denkmal lassen. Heften sich doch auch an dieses bedenkliche Erinnerungen. Es bietet sich aber nach des Einsenders geringem Ermessen gerade in Betreff Luthers ein ganz anderer und würdigerer Weg dar, sein Gedächtniß zu ehren, — nämlich durch Veranstaltung einer Ausgabe seiner Werke, welche nach ihrem innern