# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 10 — werden, nicht gleich ſei. Denn das Geſetz der Natur wird auf zweifache Weiſe betrachtet, wie Hemming lehrt ‚Von der Ehe‘ S. 101; bald heißt es Geſetz der Natur ſchlechthin und in aller Beziehung, wie: Gott iſt zu verehren, u. ſ. w.; dieſes Geſetz der Natur iſt ganz unveränderlich; bald heißt es Geſetz der Natur in gewiſſer Beziehung; wenn die Natur einen Zweck im Auge hat, welches die Wohlfahrt (incolumitas) und Er⸗ haltung der menſchlichen Geſellſchaft iſt. Dieſes Geſetz der Natur, obwohl es in Betreff des Zweckes nicht veränderlich iſt, ſo iſt es doch, wenn man die Art und Weiſe, wie man den Zweck erreicht, anſieht, veränderlich. Zum erſteren gehört das Verbot der Ehe zwiſchen Eltern und Kindern; zum ande⸗ ren gehört das Verbot der Ehe zwiſchen Brüdern und Schweſtern; denn dieſe wurde im erſten Anfang des menſchlichen Geſchlechts geſtattet, heutzutage aber iſt ſie unerlaubt; der Zweck jedoch bleibt auf beiden Seiten derſelbe, nemlich die Wohlfahrt und Vermehrung des menſchlichen Geſchlechts.“ (Loc. th. De conjugio, § 308.) S. Deyling läßt ſich darüber ſo vernehmen: „In gleicher Seiten⸗ linie wird fleiſchliche Vermiſchung, ſei es, daß ſie außerhalb der Ehe, ſei es, daß ſie unter dem Namen der Ehe geſchehe, durch ein allgemeines gött⸗ liches Poſitiv⸗Geſetz*) zwiſchen Brüdern und Schweſtern, nicht durch ein natürliches und unveränderliches verboten. Denn der Grund des Ver⸗ botes, welcher in der geraden Linie vorkommt, hört hier auf. Gott wollte nemlich, daß dergleichen Ehen zwiſchen den Söhnen und Töchtern Adams eingegangen würden. Alſo ſind ſie nicht an ſich ſchändlich, noch dem Ge⸗ ſetz der Natur entgegen, wider das Gott nicht dispenſirt.“ (Institutt. prud. past. p. 550.) Conrad Dieterich ſchreibt: „Unſere Meinung wird auch beſtätigt für das 2te durch die Verknüpfung dieſer Geſetze mit den Sitten⸗ geſetzen in einem unzerriſſenen Context ohne einigen Beiſatz eines Umſtan⸗ des, welcher einen Unterſchied bezielen möchte. Welches denn klärlich aus dem 3. B. Moſ. im 18. und 20. Capitel erhellet. . . . Welches nun Gott ſelbſt ſowohl im Verbot, als Beſtrafung, zuſammenſetzt unzertheilt und ohne allen Unterſchied, das gehört auch billig zu Einem und eben dem Geſetz. Der 3te Beweisgrund entſpringt aus der prophetiſchen Erklärung dieſer Geſetze. Denn diejenigen Geſetze, ſo von den Propheten dem Sittengeſetz Gottes oder der Natur beigezählet und deswegen die Heiden beſtraft worden, ſind wahrhaftig keine gerichtlichen, ceremonial⸗ und vergängliche Geſetze (Heſek. 22, 11.). . . . Den 4ten Beweisgrund ertheilet uns die Natur der⸗ jenigen Strafe, ſo da den Uebertretern dieſer Geſetze geſetzt iſt. Denn welchen Geſetzübertretungen eine Lebensſtrafe geſetzt, die ſind nicht den Ceremonial⸗ oder levitiſchen Geſetzen, ſondern den Sittengeſetzen zuzuzählen, wo nicht einen widrigen Ausſpruch der ſelbſt Text und Umſtände darlegen *) Sollte heißen: Moralgeſetz, da es im Neuen Teſtament kein Poſitiv⸗Geſetz im ſtrengen Sinne des Wortes geben kann. Vgl. Röm. 13, 8.