# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 9 — Auf den Einwurf, daß es aber doch unbegreiflich ſei, wie ein Abraham, der doch ſeine Schweſter geehelicht hätte, und ein Jakob, der ſeiner Frau Schweſter bei deren Lebzeiten geheirathet hatte, in der Schrift angeſichts der Eheverbote unſeres Capitels, in welchem ſolche Ehen als Greuel hingeſtellt werden — als ſolche heilige Männer geſchildert werden und wir ihr Ehe⸗ verhältniß nicht an ihnen getadelt finden, wurde zwar zunächſt erwiedert: Sarah müſſe nicht Abrahams leibliche Schweſter geweſen ſein und bei Jakob habe ohne Zweifel eine göttliche Dispenſation ſtattgefunden; ganz ausdrück⸗ lich wurde aber hervorgehoben, daß man ſich nie auf die einzelnen Beiſpiele gründen ſolle, die hin und wieder in der Schrift vorkommen, denn das heißt ſich auf das weite Meer begeben, wo man keinen Grund mehr finden kann. Wir ſollen uns an die Regel halten und darnach die einzelnen Beiſpiele be⸗ urtheilen und, wo wir das nicht können, die Sache Gott befehlen. — Daß wir es hier mit relativen Naturgeſetzen zu thun haben, die, wie aus den Strafen erſichtlich iſt, wohl ſtehen bleiben ſollen, erhellt auch daraus, daß Gott dieſelben nicht, um ſo zu reden, willkührlich fordert, wie etwa beim Verbot des Eſſens von Schweinefleiſch, was er einfach fordert, ohne einen Grund wie den hinzuzuſetzen: es iſt dir ungeſund; nein, bei dieſen Verboten leſen wir als Grund beigefügt: Es iſt dein Fleiſch u. ſ. w., das heißt, du wirſt dadurch mit einer Perſon ein Fleiſch werden, mit der du ſchon vorher ein Fleiſch biſt; du wirſt damit eine der Selbſtſchändung nicht un⸗ ähnliche Sünde begehen. — Dem Einwande, daß aber meiſtens das Gefühl für Unzuläſſigkeit der Schwagerehe nicht vorhanden ſei, wie doch bei andern verbotenen Ehegraden, inſonderheit in auf⸗ und abſteigender Linie, wurde damit begegnet, daß auch bei einigen heidniſchen Völkern die Ehelichung der Schweſter nicht für ſchänd⸗ lich gehalten worden ſei, ja, z. B. bei den Griechen die Knabenſchändung nicht für unſittlich gegolten habe, man alſo auch dieſe Schandthaten auf dieſe Weiſe rechtfertigen könnte. Wir lebten eben in der Zeit, die nach Chriſti Ausſpruch an die Tage vor der Sündfluth erinnere, die alſo beſchrieben wer⸗ den: „Da ſahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menſchen, wie ſie ſchön waren, und nahmen zu Weibern, welche ſie wollten“, 1 Moſ. 6, 2. Und wenn ſelbſt in der Chriſtenheit ſterbende Weiber ihre Männer auffordern, nach ihrem Tode ihre Schweſter zu ehelichen, wie das ſo oft geſchieht, ſo iſt das eben nur ein Beweis mehr, wie ſehr faſt durchweg die Scheu vor Gottes Gebot durch das menſchliche Gefühl zu Grabe getragen wird. Zur Abwehr des Einwandes: Wenn aber bei dieſen Verboten ſteht: „Denn es iſt ein Greuel“, und dieſelben deswegen zum Naturgeſetz gehören, ſo müſſen ſie auch für die erſten Menſchen verbindlich geweſen ſein, da Gott unveränderlich iſt, wurden folgende Stellen aus Gerhard und Deyling verleſen. Johann Gerhard ſchreibt alſo: „Wir geben zu, daß der Grund des Verbotes in allen dieſen Geſetzen, welche zum Rechte der Natur gerechnet