# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 8 — ſie thäten Gott einen Dienſt, wenn ſie ihre Kinder dem Moloch opferten. Wer aber wollte und dürfte nun ſo kühn ſein, zu beanſpruchen, daß, weil Gott jene Ausnahme gemacht habe, deswegen dürften wir auch Ausnahmen machen? Gott hat ferner die Ausnahme gemacht, daß die Obrigkeit tödten ſolle zum Schutze und Beſten der Menſchheit. Aber wer will nun ſagen, ohne Gottes Ehre anzugreifen: ich will auch Ausnahmen machen und dem fünften Gebot nicht in allen Stücken unterworfen ſein? Wenn wir Sheriffs oder Soldaten im Kriege ſind, dann ſollen wir auf Befehl der Obrigkeit die Mörder henken und die Feinde ſtechen, da hat Gott Ausnahme gemacht in ſeiner Offenbarung; aber ohne dieſe Offenbarung ſtehen wir immer unter der Regel. — Auch darauf kann ſich Niemand berufen, daß er nicht in ſeinem Gewiſſen alle Verbote des vorliegenden Capitels erkennt. Wir ſollten ſie dar⸗ aus erkennen, und wenn wir es nicht thun, iſt es eben unſre eigene Schuld. — Man machte auf den Einwand aufmerkſam, der von der Familie Adams hergenommen wird. Es ſei doch für die Kinder Adams keine Sünde ge⸗ weſen, ſich gegenſeitig zu heirathen; ihr Gewiſſen habe ihnen doch nicht geſagt, ſie begingen eine Sünde, wenn der Bruder die Schweſter heirathete: deswegen könne man nicht ſagen, die moſaiſchen Eheverbote ſeien ein alle Menſchen im Gewiſſen verbindendes Naturgeſetz. Antwort: Die Gebote, wiewohl ſie feſt⸗ ſtehen müſſen, ſind nicht ganz gleicher Natur. Es gibt abſolute Natur⸗ geſetze, die unter keinen Umſtänden übertreten werden dürfen, oder man macht ſich der Rebellion gegen Gott ſchuldig; und relative Naturgeſetze, die ſich auf Verhältniſſe beziehen, die Gott geordnet haben will, und die verbindlich ſind nur in den reſpectiven Verhältniſſen. Gott wollte laut Ap. Geſch. 17, 26.: daß von einem Blut aller Menſchen Geſchlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen ſollten. Er hat die Menſchen nicht alle auf einmal ge⸗ ſchaffen, wie die Engel, ſondern erſt nur eine Perſon, und von dieſer ſollten alle Völker herkommen. Sollte nun dieſer geheimnißvolle Rath Gottes durchgeführt werden, ſo mußten die Geſchwiſter ſich unter einander heirathen. Aber nachdem die Verhältniſſe ſich geändert haben, kann ſich kein Menſch mehr mit Recht darauf berufen. Als Kain und Habel neben ihren Eltern noch allein in der Welt waren, da konnten ſie Land nehmen, ja ganze Welt⸗ theile, wo ſie wollten, das war unter den damaligen Umſtänden gewiß recht; aber jetzt, das wird Jeder anerkennen, nachdem ſich die Verhältniſſe geändert haben, iſt es etwas ganz Anderes, und kann ſich Niemand mehr auf Kain und Habel berufen. Daß übrigens lange vor Moſis Zeit ſchon gewiſſe Grade als für zu nahe ſelbſt unter den Heiden gehalten worden ſind, ſehen wir daraus, daß Abraham meinte, ſich damit vor Abimelech retten zu können, daß er von ſeinem Weibe Sarah ſagte, ſie ſei ſeine Schweſter. Denn dann würde Abimelech denken, Abraham ſei nicht Sarahs Mann, und ihn deshalb ſchonen. Hieraus lernen wir, daß ſelbſt bei den götzendieneriſchen Völkern Canaans ſchon zu jener Zeit die Geſchwiſterehe für einen Greuel gehalten worden iſt.