# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 6 — „Die Streitigkeit iſt zwiſchen uns und den Papiſten: ob die ausgedrück⸗ ten moſaiſchen Verbote in dem 3. Buch Moſe am 18. blos levitiſch, oder gerichtlich, oder mit einem Wort Ceremonialgeſetze, welche nur zur Polizei der Juden gehören, oder aber zu dem Recht der Natur und zu dem Sittengeſetz, welches uns nach ewigem und unveränderlichem Gottes⸗ Willen geſetzt iſt, zu ziehen ſeien. Die Papiſten, damit ſie dem Thun des römiſchen Pabſtes, wenn er bei dieſen Verboten aus Geldliebe verwegener Weiſe Dispenſation ertheilet, ein Färblein geben möchten, ſchieben ſelbige Verbote mit unter die Ceremonial⸗ oder levitiſchen Geſetze (beſiehe hiervon Bellarmin, J. Lorinus, Gregorius de Valentia, Covarruvius, Sanchez und das Concilium Tridentinum, Sess. 24. can. 3.). Wir aber halten mit den Rechtgläubigen dafür, daß dieſe Verbote zu dem Sittengeſetz, welches einzig und allein nach dem ewigen Willen Gottes eingerichtet, gehören. Welches wir insgemein und inſonderheit darlegen wollen. Insgemein: 1. Wegen der Generalverpflichtung der moſaiſchen Geſetze, nach welcher nicht allein die Juden, ſondern auch die Heiden, ſo gänzlich von den jüdiſchen Gerichten und Gebräuchen ausgeſchloſſen, verpflichtet waren. Denn ſo ſpricht der höchſte Geſetzgeber in dem 3. B. Moſ. 18, 2.: ‚Ich bin der HErr euer Gott‘, V. 3.: ‚Ihr ſollt nicht thun nach den Werken des Landes Egypti, darinnen ihr gewohnet habt‘, V. 24.: ‚Ihr ſollt euch in dieſer keinem ver⸗ unreinigen, denn in dieſem allen haben ſich verunreiniget die Heiden, die ich vor euch will ausſtoßen‘, V. 25.: ‚Und das Land iſt dadurch ver⸗ unreiniget, und ich will ihre Miſſethat an ihnen heimſuchen, daß das Land ſeine Einwohner ausſpeie.‘ Hieher gehört auch der 27. und 28. Vers. Welches nun die Völker, ſo dem moſaiſchen Ceremonialgeſetz nicht unter⸗ worfen waren, verpflichtet, dieſes bezielet das Natur⸗ und Sittengeſetz Gottes; nun ſind aber die Geſetze von den verbotenen Graden in dem 3. B. Moſ. 18. eben ſolche. Ergo ꝛc. . . .“ (Consilia und Bedenken. Nürnberg 1689. S. 141—159.) Vergl. Chemnitz' Examen Sess. 8. can. 3. Dieterich behauptet damit nicht, daß alle dieſe Eheverbote, welche die Heiden übertreten haben, die Heiden in gleichem Maße ſträflich gemacht hätten; aber doch, daß ſich dieſelben durch Uebertreten jedes Verbotes ver⸗ unreinigt haben. Die Erkenntniß aber, daß wir uns durch Uebertretung dieſer Verbote ſchrecklich verſündigen und es hier nicht etwa mit jüdiſchen Ceremonialgeſetzen zu thun haben, bei deren Uebertretung Gott niemals ſo redet wie in dem angezogenen Capitel — ſollte uns doch wahrlich treiben, uns zu emancipiren von den leichtfertigen Begriffen, welche jetzt unter dem chriſt⸗ lichen Volke auch hiervon herrſchen, bei dem nicht nur das Evangelium, ſon⸗ dern auch das Geſetz verfinſtert iſt. Wir müſſen handeln, wie unſer lieber Heiland that, der ſein Werk damit anfing, die Geſetzesverkehrungen zu ſtrafen und die Reinheit des Geſetzes wieder herzuſtellen. Denn wir können nimmer das Evangelium mit Nutzen predigen, wenn wir nicht zuvor die Gewiſſen mit dem göttlichen Geſetze geſchärft haben in der Erkenntniß deſſen, was