# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S217 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die theologische Facultät zu Jena. 217 nehme im wesentlichen dieselbe Stellung ein. Die ganze Bewegung der Theologie und Kirche in den letzten vierzig Jahren ist im wesentlichen von dieser Richtung ignorirt worden. Nicht Fortschritt, sondern Stillstand ist ihr Panier. — Auf der einen Seite ihrer Fahne steht „Fortschritt“, auf der andern: „Wissenschaftlichkeit“. Wir leugnen nicht, daß es unter den ältern und neuern Rationalisten viele sehr gelehrte und um die Wissenschaft verdiente Männer gegeben hat und noch giebt, aber dem Rationalismus als solchem, seinen Grundlehren über Gott und den Menschen, über Offenbarung und Vernunft, über Schrift und Kirche werfen wir Unwissenschaftlichkeit vor, ob er sich nun auf den gesunden Menschenverstand, oder auf die Resultate der neuesten philosophischen Forschungen berufe. Und merkwürdig, nicht blos wir machen ihm diesen Vorwurf, sondern ein noch jetzt lebendes hervorragendes Glied derselben Jenaischen Facultät, Hr. Prof. Carl Hase, hat ihn vor länger als zwanzig Jahren in seinen theologischen Streitschriften öffentlich erhoben und aufs schlagendste begründet. Hr. Hase entgegnet zwar, er habe nur den Rationalismus vulgaris, den gemeinen Rationalismus gemeint, dagegen erhebt sich nun aber eben sein College Rückert, und sagt offen in die Welt hinaus: „gemeiner und ungemeiner Rationalismus, wir finden uns immer noch in der gleichen wesentlichen Stellung wie seit hundert Jahren!“ Ist nun der gemeine wie der speculative Rationalismus im wesentlichen derselbe, und ist jenem von seinen eigenen Jüngern die Unwissenschaftlichkeit nachgewiesen, so sollte doch dieser wenigstens nicht die Stirn haben, für sich allein das Prädicat der Wissenschaftlichkeit in Anspruch zu nehmen. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Welches sind die Früchte der vor hundert Jahren aufgekommenen Richtung, in der die theologische Facultät zu Jena heute noch steht und allein noch steht, für die Kirche und das Volksleben gewesen? Wer mitten im Volke steht und es kennt, der weiß es und es drängt sich ihm täglich mit Gewalt auf: der Rationalismus hat die Kirche verwüstet, ihre Ordnungen gebrochen, dadurch das Volk verwirrt, ihm die Liebe zur Kirche, zur Frömmigkeit, zum Gebet genommen, und damit das Fundament aller Treue und aller Tugenden zerstört; was noch gutes und christliches im Volke ist, das stammt noch aus den Resten des alten Glaubens. Dies Urtheil klingt hart, und mag namentlich den gelehrten Herren hart klingen, die sich in ihre Bücher vergraben und von den wirklichen Zuständen im Volke oft herzlich wenig wissen. Hören wir darum einen Mann, der bei aller Gelehrsamkeit das Leben des deutschen Volkes in der alten und neuen Welt genau kennt und viel darüber gedacht und geschrieben hat, einen schweizerischen Republicaner von Geburt, einen keineswegs confessionellen, sondern sehr „freisinnigen“ Theologen, den Professor der Theologie am evangelischen Predigerseminar zu Mersersburg in Pennsylvanien Dr. Schaff. Derselbe schreibt in seinem in diesem Jahre erst erschienenen Buche