# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S216 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 216 Die theologische Facultät zu Jena. gen Paulus, der die Wunder des neuen Testaments wegerklärte, — des Hallischen Theologen Wegscheider, der die „gesunde Vernunft“ zur obersten Richterin in Glaubenssachen setzte, — des Jenaischen Gabler, der nicht begreifen konnte, warum man den Heiden das Evangelium predigen solle, — des Weimarischen Generalsuperintendenten Röhr, der öffentlich erklärte, wenn man dem Volke alles offen sagen solle, was man glaube (oder nicht glaube), so müsse man ein Generalpächtervermögen haben, — wir können noch weiter zurückgehen, sie bekennt sich im wesentlichen zu den Aufklärern des vorigen Jahrhunderts: Nicolai, Teller, Basedow u. s. w., deren Andenken, wie jeder Unbefangene zugeben muß, ein berüchtigtes ist. Sie waren aber alle Rationalisten. Wir wollen hier mit der Facultät nicht rechten über ihre theologische Stellung. Wir wollen das Verhältniß, in dem sie zu dem öffentlichen Glaubensbekenntnisse der lutherischen Kirche (zu dessen Schutze gerade Jena gegründet ist) steht, unberücksichtigt lassen, wollen einmal annehmen, sie habe das Recht, sich auf den Boden des Rationalismus zu stellen, und nur daran denken, was sich sonst aus jenem Bekenntnisse ergiebt. Diejenigen Theologen, deren Sache Hr. Prof. Rückert vertritt, — und die protestantische Kirchenzeitung auf allen Blättern, — erklären sonst den Umschwung der Theologie in der neuesten Zeit, und daß sie den Rationalismus verlassen, aus den Wirkungen und Einschüchterungen der Staatsgewalt. Der König von Preußen namentlich, und nach ihm die Mehrzahl der protestantischen Fürsten Deutschlands, hätten, aus Furcht vor den freiern politischen und kirchlichen Ansichten, den Rationalismus verfolgt und die gläubige Richtung begünstigt, in die theologischen Facultäten und zu den einflußreichen Stellen in der Kirche mehr und mehr nur Gegner der freien Richtung berufen, und daher sei das jüngere Geschlecht stutzig geworden, und ergebe sich blindlings einer kirchlichen Reaction und ihren Führern. — Wenn das wahr wäre, wie ließe sich dann erklären, daß, wie Hr. Prof. Rückert sagt, dieselbe Erscheinung sich wiederholt, „so weit es eine evangelische Kirche gibt in der alten und neuen Welt“? Wer hat in der freien Schweiz und im freien Nordamerika, wer hat in dem katholischen Frankreich und in den russischen Ostseeprovinzen die evangelische Kirche genöthigt, vom Rationalismus abzutreten und sich dem Glauben der Väter wieder zuzuwenden? Jene Erklärung trifft nicht zu, — möchte sie denn nie mehr gehört werden! — Das Feldgeschrei des Rationalismus ist von jeher gewesen: „Fortschritt“. Hier nun haben wir ein offenes Bekenntniß, daß er seit hundert Jahren nicht fortgeschritten, sondern im wesentlichen derselbe geblieben ist. Wir habens lange gewußt und behauptet, man hat uns aber widersprochen, und uns auf den neuern sogenannten speculativen Rationalismus hingewiesen, der zwischen dem alten Glauben und dem jetzigen „Zeitbewußtsein“ vermittele und ein Fortschritt sei, — jetzt hören wirs aus dem eigenen Munde eines Rationalisten, der neuere wie ältere Rationalismus