# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 22_S101 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 18. Mai 1847. No. 9. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen eiumal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Die Lehre des Evangelii iſt nicht falſch, obgleich in der Chriſtenheit ſo viel Irrthum, Aergerniß, Rotten und Secten ſind. :„Die drei Symbola“ Tom. XXII., p. 106 Lpz. Hie ſind nun etliche verdrießliche ſchändliche Leute, die der heil. Chriſtenheit gar höhniſch können fürwerfeu, daß ſo viel Zwietracht, Secten, Irrthum, Ketzerei und Aergerniß drin⸗ nen erfunden ſind; als ſollte darum die Lehre des Evangelii billig falſch und unrecht zu ach— ten ſein, weil die Chriſtenheit ſolle einträchtig und friedlich ſein. Dieſe ſind gar weiſe treff— liche Leute, die den heil. Geiſt lehren können, wie er ſoll die chriſtliche Kirche regieren. Ja, Lieber, wenn der Teufel Chriſtum nicht in die Ferſe beißen wollte, oder müßte es laſſen, ſo wäre leichtlich eine ſehr ſtille, friedliche Kirche zu haben. Aber nun er Chriſtus Feind iſt, und in ſeiner Kirche Krieg, Seeten, Aufruhr ohne Unterlaß anrichtet, ſo thut man ja der lieben Kirchen große Gewalt, daß man ihr Schuld gibt ſolchen Unfriede und wüſt Weſen, welches ſie nicht thut, ſondern leiden muß ... Es heißt, Niemand kann länger Friede ha— ben, denn ſein Nachbar will. Die liebe Kirche muß wohl unfriedlich ſein, wenn ſie den Feind ihres HErrn IEſu Chriſti nicht hören will, wie ſoll ſie ihm anders thun? Der Ferſenbei— ßer, der Teufel, will nicht ruhen, noch ſeinem Kopftreter Friede laſſen, ſo will der Kopftre— ter, unſer HErr, ſolchen Ferſenbeißer nicht lei— den. Sei du nun klug und weiſe, und menge dich in dieſen Hader, was gilts, du ſollſt Schei⸗ demanns Lohn drüber kriegen, daß dich Chri— ſtus verdammt, und der Teufel zerreißt. Dar— um laß gehen, wie es gehet, menge dich nicht zwiſchen Thür und Angel, du wirſt Chriſtum und Belial nicht vertragen, die Feindſchaft iſt zu hart an einander geſchworen, einer muß zu⸗ letzt untergehn, und der andere bleiben, da wird nicht anders aus Vor Chriſti Zu⸗ kunft war die Welt ſo voll mancherlei Abgötte— rei, als kein Hund voll Flöhe iſt um Sanct Johannis Tage, daß es krimmelt und wimmelt von Abgöttern allenthalben, noch trieb da kein Teufel den andern aus, trat kein Abgott dem andern auf den Kopf, biß auch keiner den an— dern in die Ferſen, konnten ſich wohl neben einander leiden und vertragen. Alſo daß auch die Römer aus aller Welt alle Abgötter ſam— S. Luth. 2 melten, und eine Kirche bauten, die ſie nenne— ten Pantheon, aller Götter Kirche. Denn die weltweiſen Herren wollten alle Götter zu ihrer. Stadt haben. Da aber dieſer rechte Gott IEſus Chriſtus kam, den wollten ſie nicht leiden. Iſt's nicht wunderlich Ding, alle Götter annehmen, und dieſen einigen allein ausſchlagen und verfolgen? Die andern alle ſind ſtille und halten Friede'unter einander, da aber dieſer kommt, da hebt ſich das Spiel und der Uufriede, da wollen alle Götter toll werden, ſammt ihren Dienern, den Römern, ſchlagen todt Apoſtel, Märtyrer und alles, was dieſen Chriſtum nennen darf. Der andern Götter Dienern thun ſie kein Leid, ſondern alle Ehre und Tugend. Wäre aber Chriſtus auch ein Teufel geweſen, wie die andern Abgötter, o wie gern und herrlich hätten ihn die Teufel neben ſich laſſen annehmen und anbeten. Nun ſie aber alle wider ihn toben und wüthen, bekennen ſie damit, daß er mußte der rechte einige Gott ſein, der ſie auf den Kopf tritt und ihren Hof ſtür— met, ſie überwindet, ihren Hausrath austheilet. Da ſchreien ſie denn, und beißen ihn in die Fer— ſen, geben ihm Schuld, er richte Unfriede an zu Rom, und in aller Welt, und meinen, ſie thun großen Gottesdienſt daran, daß ſie ihn ſo heftig verfolgen und ſo viel Blut vergießen. Ja freilich, wenn wir thun, was der Teufel will, und laſſen Chriſtum fahren, ſo haben wir guten Frieden für ihm: denn er kann uns al⸗ lerlei Abgötterei und Irrthum wohl laſſen, ohne dieſen ſeinen Kopftreter, den kann er nicht leiden. Alſo auch unter dem Pabſtthum iſt die Welt ja ſo voll Rotten und Seeten ge— weſt, als zuvor unter den Heiden; da ſind ſo mancherlei Orden, Stift, Kirchen, Wallfahr- ten, Brüderſchaften u. ſ. w., daß ſie nicht zu zählen. Die haben alle unter einander Feind— ſchaft gehabt der Pabſt hat ſie alle beſtätiget und haben müſſen heißen heilige Or— den, heilige Stände, heilige Säulen, heilige Lichter der Chriſtenheit. Aber nun das Evan— gelium kommt, und prediget von dem einigen gemeinen Orden der Chriſtenheit, die in Chriſto ein Leib iſt, ohne Seeten, denn hie iſt (ſpricht St. Paulus) kein Jude, kein Grieche, kein Barfüßer, kein Carthäuſer u. ſ. w., ſondern alle einer und in einem Chriſto: da toben und wüthen die heiligen Orden wider dieſen einigen Orden Chriſti und ſonſt wider keinen; damit bekennen ſie, daß ſie 2 der Rotten Kirche und des Teufels Orden ſind, und dieſer Orden müſſe der rechte Orden ſein Ja freilich, wenn wir den gemeinen Orden Chriſti wollten laſſen fahren und lehren, was dem Ratten-König und Rotten-König, dem Pabſt, ſammt ſeinen Notten wohlgefiel, ſo hätten wir Friede mit allen Ehren. Es ſpricht St. Bernhard über den Spruch Jeſ. 38, 17.: Ecce in pace amaritudo mea amarissima (das iſt: Im Frieden iſt meine Traurigkeit am al— lergrößten): die Kirche ſtehe nimmer ärger, denn ſo ſie Friede und Ruhe hat. Und iſt auch die Wahrheit, wenn die Chriſten mit dem Teu⸗ fel oder Ferſenbeißer nicht im Kampf ſind, ſo iſt's kein gut Zeichen. Denn es bedeutet, daß der Ferſenbeißer Friede und ſeinen Willen hat. Aber wenn der Ferſenbeißer tobet und nicht Friede hat, das iſt ein Zeichen, daß er unterlie⸗ gen ſoll, und Chriſtus ſeinen Hof ſtürmet. Dar- um wer die chriſtliche Kirche will alſo ſehen oder kennen, daß ſie aller Dinge ohne Kreuz, ohne Ketzerei, ohne Rotten, in ſtiller Ruhe ſtehe, der wird ſie nimmermehr ſehen, oder muß die falſche Teufels-Kirche für die rechte Kirche anſehen. Chriſtus ſpricht ſelbſt: Es müſſen Aergerniſſe kommen, aber weh dem, durch wel— chen ſie kommen. Und St. Paulus: Es müſ⸗ ſen Ketzereien oder Rotten ſein, auf daß die Bewährten offenbar werden; auch müßte man zuvor das Vater Unſer wegthun, darinne wir bitten, daß ſein Name geheiliget werde, ſein Reich komme, ſein Wille geſchehe, und daß wir nicht in Verſuchung kommen u. ſ. w. Wenn nun keine läſterliche Lehre mehr unter Gottes Namen wird ſein, ſo iſts Zeit, daß man aufhöre zu beten, geheiliget werde dein Name, zukomme dein Reich u. ſ. w. Aber ſie hören nicht, und ärgern ſich immer für und für, wollen ſchlechts eine Kirche machen, wie ſie es gern hätten, ſtill und friedlich. So fragt auch Gott nach ihrem Aerger gar nicht, läßt ſie ſich immerhin ärgern, fähret auch fort, und machet die Kirche, wie er ſie gerne hat; bis daß ſie weder Kirche noch Fenſter, weder Kalk noch Stein dran behalten, wie den Juden zu Jeruſalem mit ihrem Tem⸗ pel auch geſchehen iſt. Darum muß ihr Vater Unſer alſo lauten: Dein Name iſt ſchon gehei⸗ liget. Dein Reich iſt kommen, dein Wille iſt geſchehen; das iſt: wir ſind heilig, und voll⸗ kommen, dürfen keiner Sünden Vergebung, noch Schutz für Anfechtung mehr. Denn ſie wollen keine Aergerniſſe, Secten oder Unruhe