# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 36 — Ueberaus tröſtlich iſt für uns die Darſtellung der corinthiſchen Gemeinde von Seiten des Apoſtels Paulus. Welche Aergerniſſe fanden ſich da! Da war ein Blutſchänder, 1 Cor. 5, 1., ſo daß Paulus ihnen zurufen mußte, V. 6.: „Euer Ruhm iſt nicht fein.“ Und das allein war noch nicht ſo erſchrecklich. Denn das kann eine Gemeinde nicht helfen, daß in ihr oft die ſchrecklichſten Aergerniſſe vorkommen. Das Traurigſte in Corinth war, daß die ganze Gemeinde dabei gutes Muthes war. V. 2.: „Und ihr ſeid auf⸗ geblaſen und habt nicht vielmehr Leid getragen, auf daß, der das Werk ge⸗ than hat, von euch gethan würde.“ Sie meinten alſo noch, es ſtünde gut unter ihnen. Dennoch gibt ihnen Paulus 1 Cor. 1, 2. die ſchönen Namen: „Die Gemeine Gottes zu Corinth“, „die Geheiligten in Chriſto JEſu“, „die berufenen Heiligen“. Es fand ſich aber noch mehr unter ihnen. Nach 1 Cor. 6, 1—8. ver⸗ klagten ſich die Chriſten untereinander vor heidniſchen Richtern, zum großen Scandal vor den Heiden. Nach Cap. 11, 17—22. ging es ganz greulich zu beim heiligen Abendmahl, die Reichen brachten köſtliche Speiſen mit zu den Liebesmählern und lebten im Sauſe, während die Armen hungerten. Daher war Gottes Gericht über ſie hereingebrochen, V. 30. Ja, nach 1 Cor. 15, 12. 34. leugneten Etliche ſogar die Auferſtehung der Todten. Und als nach einer langen Reihe von Jahren der Apoſtel ſeinen zweiten Brief ſchrieb, da mußte er unter Anderem Cap. 12, 20. 21. ihnen ſagen: „Denn ich fürchte, wenn ich komme, daß ich euch nicht finde, wie ich will, und ihr mich auch nicht findet, wie ihr wollet; daß nicht Hader, Neid, Zorn, Zank, Afterreden, Ohrenblaſen, Aufblähen, Aufruhr da ſei; daß ich nicht abermal komme, und mich mein Gott demüthige bei euch, und müſſe Leid tragen über viele, die zuvor geſündiget und nicht Buße gethan haben für die Unreinigkeit und Hurerei und Unzucht, die ſie getrieben haben.“ Und dennoch ſagt Paulus nicht: Sondert euch von dieſen Leuten ab, ſondern ruft ihnen 1 Cor. 1, 10. zu: „Ich ermahne euch aber, lieben Brü⸗ der, durch den Namen unſers HErrn JEſu Chriſti, daß ihr allzumal einer⸗ lei Rede führet und laſſet nicht Spaltungen unter euch ſein, ſondern haltet feſt an einander in Einem Sinne und in einerlei Meinung.“ So ſoll auch heutzutage gerade dann ein Chriſt um ſo mehr bei einer ſolchen Gemeinde bleiben, da viel gottlos Weſen ſich noch findet, und dem armen Prediger eine Stütze ſein, der noch nicht in allen Stücken durchdrin⸗ gen kann. Freilich iſt es ein großes Kreuz, wenn man in einer ſolchen Ge⸗ meinde iſt und die Weltkinder oft ſpottend ſagen: „Und du gehörſt auch zu dieſer ſauberen Sippſchaft?“ Aber man trage dieſe Schmach gern und ant⸗ worte getroſt: „Ja, ich gehöre zu dieſer Gemeinde, aber wir haben da Gottes reines Wort und mit Gottes Hülfe wird und ſoll das Leben noch anders werden; wir werden die Gottloſen vornehmen.“