# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S215 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die theologische Facultät zu Jena. 215 Schwachheit passenden Ort versetzen: so jedoch müssen die Vorsteher seine Versetzung bestimmen, daß sie zuerst längere Zeit warten, ob seine Gesundheit wieder hergestellt werden kann, und vorher muß das Urtheil der Aerzte eingeholt werden. Wir unterlassen es, hier Belege für unsere Meinungen zusammenzustellen, damit wir nicht schon Gesagtes wiederholen. Wer will, der schlage nach Reßler's Theat. cas. consc. p. 56., Georg König's cas. consc. p. 738 seq., Brochmann's System. Theol. II., de Ministerio c. 3, cas. 8. (Fortsetzung folgt.) Die theologische Facultät zu Jena. Die Universität Jena beging am 6. Februar d. J. ihren Prorectoratswechsel. Derselbe kehrt in jedem Halbjahr wieder, und ist an und für sich nicht der Rede werth. Aber die Rede, die der neuerwählte Prorector, der Professor der Theologie Rückert, bei der Gelegenheit hielt, ist desto bemerkenswerther. Er sprach sich nämlich in ihr mit anerkennenswerther Offenheit über die Stellung der Jenaischen theologischen Facultät zu den übrigen theologischen Facultäten der evangelischen Kirche aus, und verhehlte es nicht, daß sie allein noch eine Bahn verfolge, die die andern längst verlassen haben. Er sagte: „Jena's Theologen können, besser gesagt, sie wollen sich nicht bergen, daß nicht allein in Deutschland, daß, so weit es eine evangelische Kirche gibt in der alten und neuen Welt, sie die einzige Facultät sind, welche sich noch in der gleichen wesentlichen Stellung findet, in der sie nun fast ein Jahrhundert lang gestanden hat, und welche vor nicht allzu langer Zeit die allgemeine Stellung aller war.“ Er vergleicht die Jenaische Theologie mit den Eilanden an der Nordsee, welche die Meereswellen von Jahr zu Jahr abspülen und endlich zu vernichten drohen, hält sich aber an der Hoffnung, es werde nicht immer so bleiben, die gerechte Sache werde doch endlich siegen. Herr Professor Rückert spricht im Namen der Facultät, und wir wüßten wirklich kein Glied derselben, dem wir zutrauen dürften, daß es diesem Bekenntnisse widersprechen würde, denn gerade diejenigen Jenaischen Theologen, von denen man es etwa glauben könnte, sind Mitarbeiter an der „Protestantischen Kirchenzeitung“, stellen sich also selbst mit Schwarz in Gotha, dem entschiedensten Gegner des evangelischen Glaubensbekenntnisses, auf eine Linie. Wir sind also berechtigt, jene Rede Rückert's als ein Bekenntniß der ganzen Facultät anzusehen. Es ist ein offenes Bekenntniß zum Rationalismus, denn das ist die Richtung, die seit etwa hundert Jahren in die evangelische Kirche eingedrungen ist, und die vor nicht allzu langer Zeit die allgemeine Stellung aller war. Die Facultät bekennt sich also noch heute im wesentlichen zur Theologie des Heidelberger (früher Jenaischen) Theolo⸗