# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — auch ganz weg aus deiner Gemeinde; ſonſt gibſt du durch dein Hinüber⸗ laufen in eine andere Parochie ein großes Aergerniß und richteſt Spaltung an. Etwas ganz Anderes aber iſt es freilich, wenn ein Prediger zwar kein Ketzer, aber doch ein ganz untüchtiger Menſch iſt, der nicht im Stande iſt, ſein Amt recht zu führen. Ein Solcher muß entfernt werden. Aber auch da haſt du kein Recht, ohne weiteres ihn zu verlaſſen, ſondern ſollſt ihn gehöri⸗ gen Orts anzeigen und darauf dringen, daß ihm das Amt wieder abgenom⸗ men werde. Es wäre unrecht, grauſam, ja gottlos, einer Gemeinde einen ſolchen Prediger ferner aufzuoctroyiren. Aber iſt der Mann nur von weni⸗ gen Gaben, zeigt aber dabei, daß er eine reine und klare Erkenntniß der rei⸗ nen Lehre und dazu einen brennenden Eifer, Seelen zu gewinnen, hat, er iſt nur z. B. unberedt, macht oft Sprachfehler ꝛc., ſo ſollſt du, und wenn du der gelehrteſte Mann wäreſt, zu einem Solchen gern in die Kirche geben. Es wäre ein ſchändlicher Hochmuth, wenn du dieſen Prediger, der ein Chriſt iſt und ſelbſt darüber ſeufzt, daß es ihm ſo ſchwer fällt, verachten wollteſt. Man ſehe das vielmehr an als ein ganz heilſames Kreuz und danke Gott, daß er doch noch einen ſolchen Mann uns geſchenkt hat. Hierauf wurde Punkt 3. einſtimmig angenommen und die Beſprechung des vierten Punktes aufgenommen. Derſelbe lautet: „Grund zur Aenderung der Parochialverhältniſſe kann endlich 4. nicht ſein das Wuchern des Unkrauts in einer Gemeinde, in welcher die Gnadenmittel noch unverfälſcht im Schwange gehen (Matth. 13, 24. ff.), daher der Apoſtel die rechtſchaffenen Chriſten in der verderbten Gemeinde zu Corinth nicht auffordert, dieſelbe zu verlaſſen, ſondern deſto feſter an einander zu halten und nicht Spaltung unter ſich ſein zu laſſen (1 Cor. 1, 10. vgl. 5, 1. 2. 6. 6, 1—8. 11, 17—22. 30. 15, 12. 34. 2 Cor. 12, 20. 21.).“ Matth. 14, 24. ff. ſagt der HErr: „Das Himmelreich iſt gleich“ ꝛc. Man ſoll alſo nicht denken, wo Unkraut ſich findet, da kann das Himmelreich nicht ſein. Im Gegentheil, es gibt keinen Platz der Erde, wo das Himmel⸗ reich, die heilige Kirche, ſich findet, da nicht auch zugleich das Unkraut, näm⸗ lich Heuchler und Gottloſe, zu finden ſind. Hat daher jemand nichts ande⸗ res auszuſetzen als dieſes, ſo ſoll er ſich von ſeiner Gemeinde nicht trennen. Es iſt ja freilich für einen ernſten und geförderten Chriſten ein ſchweres Kreuz, wenn er aus einer alten guten Gemeinde, darin ſtrenge Kirchenzucht gehandhabt wird, durch Umzug in eine neue Gemeinde kommt, wo noch Vie⸗ les im Argen liegt und der Prediger nicht gleich eine Sichtung vornehmen kann. Aber er ſoll ſich um Gottes willen nicht dadurch abhalten laſſen, ſich an ſolche neue Gemeinde anzuſchließen, oder ſie etwa gar wieder verlaſſen. Vielleicht ſind in der neuen Gemeinde mehr wahre Chriſten, als er meint, während in jener alten wohlgeordneten Gemeinde ſich gar viele Heuchler fin⸗ den können.