# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S34 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 34 — ſteht. Es will dabei ein guter Lutheraner ſein und beruft ſich auf die Schrift. Wie iſt nun mit dem Mann zu verfahren? Antwort: Man ſoll den Mann freilich nicht gleich von ſich ſtoßen, denn es iſt möglich, daß er im irrenden Gewiſſen handelt; aber er muß auch ſcharf geprüft werden, ob er nicht vielleicht ein geiſtlich ſtolzer Menſch iſt. Er wird wohl ſagen, es ſei in Deutſchland immer Brauch geweſen, den Altar im Oſten zu haben. Aber dann muß man ihm doch beibringen können, daß das nicht Gottes Gebot iſt und er es aus der Schrift nicht beweiſen könne. Auch forſche man nach, ob er vielleicht beim Kirchbau den Vorſchlag ſelbſt ge⸗ macht hat, den Altar in den Oſten zu ſtellen. Dann kann wohl ein neuer Grund dazu kommen, der ihn als einen hoffärtigen Menſchen offenbar macht, welcher ſich ärgert, daß ſein Vorſchlag nicht durchgegangen iſt. Gibt man einem ſolchen Mann zu früh nach, ſo kann man ihn in ſeinem Trotz und Hochmuth gefährlich ſtärken. Es iſt eben auch das Gottes Weiſe, daß er oft einem geiſtlich Hochmüthigen eben ſolche Brocken in den Weg wirft, um ſeiner armen Seele zu helfen. So ſoll uns die Liebe zu einer ſolchen Seele treiben, die Sache ernſt und ſcharf zu nehmen und nicht ſo bald nachzugeben. Nachdem ſich nun die Conferenz einſtimmig zu Punkt 2. der 9ten Theſis bekannt hatte, wurde der dritte Punkt zur Beſprechung aufgenommen. Der⸗ ſelbe lautet: „Grund zur Aenderung der Parochialverhältniſſe kann 3. nicht Vor⸗ liebe für eine beſondere Gabe eines Predigers ſein (1 Cor. 1, 11—13. 3, 3—23.), denn das iſt bei allem Schein der Geiſtlichkeit etwas Fleiſchliches.“ Dies erſehen wir aus den angeführten Stellen, wo der Apoſtel ſeine Corin⸗ ther ſtraft, daß ſie ſo viele Unterſchiede unter Predigern machten, und ihnen ſagt: das iſt fleiſchlich. Es kommt dies heutzutage ſehr häufig vor, wo Gemeinden ſich recht nahe ſtehen, beſonders in Städten, daß ein Gemeindeglied ſeinen Prediger verläßt und ſich an den andern hängt, obwohl beide Paſtoren die reine Lehre haben, und zwar weil ihm die Perſon ſeines Predigers nicht gefällt oder der⸗ ſelbe nicht ſo glänzende Gaben hat, wie der andere. Das iſt ſündlich und ſchändlich. Jeder ſoll vielmehr ſo denken: Hier, wo ich wohne, hat mir Gott gerade dieſen Mann zum Seelſorger verordnet; das iſt ſchon von Ewigkeit bedacht und da kann ich gewiß ſein: das iſt der Mann, durch den mich Gott will in den Himmel bringen, der wird mir gewiß das Brod des Lebens geben, das mir nöthig iſt; von ihm werde ich den rechten Rath erhal⸗ ten und genügend Troſt in allen Nöthen. Und ſollte mein Paſtor wirklich etwas verkehrt machen, ſo wird Gott mich ſo führen, daß ich gewiß aus Got⸗ tes Wort das Rechte erkenne und jenes mir nicht zum Schaden gereiche. Willſt und kannſt du aber durchaus nicht bei einem Prediger bleiben, ſo ziehe