# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 25 — in der reinen Lehre und mit reinen Büchern erziehen zu laſſen. Und jetzt gibt es unter uns ſo leichtſinnige Leute, die reine Bücher nicht benutzen wollen, weil ihnen dies und jenes daran nicht gefällt. Gott kann uns die gegenwärtige Freiheit leicht nehmen. Man hat ſchon einzelne Anzeichen da⸗ von geſehen. Denn wenn die Ungläubigen von Freiheit reden, ſo meinen ſie nur ihre eigene, aber die Sklaverei der andern. Wenn manche Lehrer zur Entſchuldigung ſagen, die Kinder verſtehen nicht, was in den Büchern ſteht, oder ſie vergeſſen es wieder, ſo iſt das ganz verkehrt. Gerade an dem, was die Menſchen in ihrer frühen Jugend lernen, bildet ſich ihr Charakter, und da wirkt denn auch das Gift, wenn gleich heim⸗ lich. Was für ein Geſchrei würde man machen, wenn etwa ein Bäcker ein wenig Arſenik in das Brod mengen würde! Und hier handelt es ſich nicht um das leibliche, ſondern um das geiſtliche Leben. Bei dieſer Gelegenheit wurde auch darauf aufmerkſam gemacht, daß manche ſowohl religiöſe als weltliche Lieder in den Schulen geſungen werden, welche ganz greulich ſind. Auch auf ſolche Dinge ſollten die Paſtoren ein wachſames Auge haben. Ebenſo erkundigte man ſich nach den Geſangbüchern, die in unſern Ge⸗ meinden gebraucht werden. Findet man da etwa noch das Pennſylvaniſche oder gar das Gemeinſchaftliche? Wie ernſt es mit unreinen Geſangbüchern zu nehmen iſt, lehrt folgen⸗ der Vorfall: Im Jahre 1669 entſtand in Küſtrin ein Streit über Lobwaſſers Ge⸗ reinigte Pſalmen. Lobwaſſer iſt bekanntlich ein Namenlutheraner, der Marot's Franzöſiſche Pſalmen in das Deutſche überſetzt hat. Dieſe ent⸗ halten nun zwar keine groben Irrlehren, aber namentlich in den propheti⸗ ſchen Pſalmen zeigt ſich die calviniſtiſche Auslegung. Sie wurden deshalb auch bei den Reformirten viel gebraucht. Als nun der ſogenannte „Große Kurfürſt“ in Brandenburg regierte, breiteten ſich die Reformirten ſehr aus, während die Schulen größtentheils lutheriſch blieben. Da ſollten nun in Küſtrin bei Begräbniſſen vornehmer Reformirter oder bei andern feſtlichen Gelegenheiten die lutheriſchen Gymnaſiaſten Lobwaſſers Pſalmen ſingen. Das zu thun weigerte ſich der Rector Grafunder, ließ ſich auch nicht dazu bewegen und wurde endlich abgeſetzt. Die Wittenberger Facultät antwortete dem treuen Bekenner auf ſeine Anfrage, wie folgt: „Es iſt nicht ein reines Mittelding, ſolche Schriften, welche calviniſch ſind und offenbar judaiſiren, durch öffentliches Abſingen billigen, ſondern eine offenbare Gottloſigkeit.“ (Unſchuldige Nachrichten, Jahrg. 1747, S. 91.) Die Leipziger theologiſche Facultät gab ihm folgenden Rath: „Sage den Räthen, daß du der echt lutheriſchen Religion zugethan ſeiſt und daher deine Schüler nicht dazu anhalten könneſt, Lobwaſſer dem Luther vorzuziehen und durch die franzöſiſchen Melodieen die Ohren der Reformirten zur