# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 12 — zu Luthers Zeit waren die Rathsherren lutheriſch. Wir aber haben hier die ſogenannte Communalverfaſſung. Da iſt das Amt der Rathsherren auf die Gemeindeglieder übergegangen. Außerdem ſind ja die Kinder nicht nur Kinder der Eltern, ſondern auch der Kirche. Deshalb hat dieſe die heilige Verpflichtung, das zu thun, was die Eltern verſäumen. Thun dieſe ihre Schuldigkeit nicht, ſo werden ſie ver⸗ dammt werden, aber die Kirche wird auch zur Rechenſchaft gezogen. Die Kinder in unſeren Gemeinden ſind ja getaufte Chriſtenkinder, ſie ſind unſere Kinder; denn nur Schwarmgeiſter behaupten, daß die Kinder nicht zur Kirche gehören. Würden wir uns nun nicht um ſie bekümmern, ſo gäben wir ja den Wiedertäufern Recht. Nein, wir müſſen es unſern Kindern auch ſagen, ſie müſſen es wiſſen, daß ſie getauft ſind. Wenn Luther heute wieder⸗ käme, wie würde er die Gemeinden zur Verantwortung ziehen, welche ſich ihrer Kinder nicht annehmen! Luther fährt fort: „Daß es von den Eltern nicht geſchieht, hat man⸗ cherlei Urſach. Auf's erſte ſind etliche auch nicht ſo fromm und redlich, daß ſie es thäten, ob ſie es gleich könnten. . . Auf's andere, ſo iſt der größte Haufe der Eltern leider ungeſchickt dazu und weiß nicht, wie man Kinder ziehen und lehren ſoll. Denn ſie ſelbſt nichts gelernet haben ohne den Bauch zu verſorgen; und gehören ſonderliche Leute dazu, die Kinder wohl und recht lehren und ziehen ſollen. Auf's drittte, obgleich die Eltern geſchickt wären und wollten's gerne ſelbſt thun, ſo haben ſie vor andern Geſchäften und Haushalten weder Zeit noch Raum dazu, alſo daß die Noth zwinget, gemeine Zuchtmeiſter für die Kinder zu halten. Es wollte denn ein jeglicher für ſich ſelbſt einen eigenen halten. Aber das würde dem ge⸗ meinen Mann zu ſchwer, und würde abermal mancher feine Knabe um Armuths willen verſäumet. Dazu ſo ſterben viel Eltern und laſſen Waiſen hinter ſich; und wie dieſelben durch Vormünder verſorget werden, ob uns die Erfahrung zu wenig wäre, ſollte uns wohl zeigen, daß ſich Gott ſelbſt der Waiſen Vater nennt Pſ. 68, 6., als derer, die von jedermann ſonſt ver⸗ laſſen ſind. Auch ſind etliche, die nicht Kinder haben; die nehmen ſich auch darum nichts an. Darum will's hie dem Rath und der Obrigkeit gebühren, die allergrößeſte Sorge und Fleiß auf's junge Volk zu haben. Sehet an zum Exempel, welch einen großen Fleiß der König Salomo hierinnen gethan hat, wie hat er ſich des jungen Volkes angenommen, daß er unter ſeinen königlichen Geſchäften auch ein Buch für das junge Volk gemacht hat, das da heißet Proverbiorum. Und Chriſtus ſelbſt, wie zeucht er die jungen Kindlein zu ſich! Wie fleißig befiehlt er ſie uns und rühmet auch die Engel, die ihrer warten, Matth. 18, 2., daß er uns anzeige, wie ein großer Dienſt es iſt, wo man das junge Volk wohl zeucht, wiederum wie greulich er zürnet, ſo man ſie ärgert und verderben läſſet! Darum, liebe Herren, laſſet euch das Werk anliegen, das Gott ſo hoch von euch fordert, das euer Amt ſchuldig iſt, das der Jugend ſo noth iſt, und das weder Welt noch Chriſt entbehren kann.