# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1877_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 8 — Theſis 10. Nicht minder iſt dieſer Widerſpruch vorhanden, wenn eine lutheriſche Synode oder ein zuſammengeſetzter Synodalkörper es duldet, daß einzelne ſeiner ſich auch lutheriſch nennenden Paſtoren⸗Gemeinden bedienen, die that⸗ ſächlich unirt ſind. Theſis 11. Es widerſpricht ferner dem Bekenntniß, wenn die kirchliche Körperſchaft es ſich gefallen läßt, daß ihre Paſtoren keinen ordentlichen, ſondern nur einen zeitweiligen Beruf von ihren Gemeinden haben, oder ſie gar ſelber dieſe Un⸗ ordnung durch das Licenzweſen ſtärkt. Theſis 12. Es iſt ein ſchreiender Widerſpruch wider das Bekenntniß, wenn eine lutheriſch ſich nennende und lutheriſch ſein wollende kirchliche Körperſchaft keinen Ernſt und Eifer beweiſ't, rechtgläubige Gemeindeſchulen, ſoviel an ihr liegt, in Gang zu bringen, wo ſie nicht vorhanden ſind. *) Hiezu wurde Folgendes bemerkt: In früheren Zeiten war es in den lutheriſchen Gemeinden Amerika's Regel, eine Gemeindeſchule zu erhalten, aber jetzt ſind dieſelben in vielen Sy⸗ noden abhanden gekommen. Man begnügt ſich mit ſogenannten Sonntags⸗ ſchulen. Und doch ſind dieſe ein überaus dürftiges Erſatzmittel, denn nim⸗ mermehr können in ihnen die Lämmer Chriſti ſo geweidet werden, wie es der HErr befohlen hat. Darum iſt es die heilige Pflicht der Paſtoren, in ſolchen Gemeinden, welche zu arm ſind, als daß ſie einen beſonderen Lehrer anſtellen könnten, ſelbſt wenigſtens drei Tage in der Woche Schule zu halten. Geſchieht das nicht, ſo haben ſolche Gemeinden keine Zukunft. Denn wenn die Kin⸗ der nicht in der reinen Lehre und unter der Zucht des göttlichen Wortes auf⸗ erzogen werden, ſo fallen ſie entweder den Secten anheim oder verdorren gänzlich. Darum ſind die Gemeinden über die Pflicht, Gemeindeſchulen aufzurichten, mit allem Ernſt zu belehren, beſonders wo dieſe Pflicht früher nicht recht erkannt worden iſt. Unverantwortlich iſt es dagegen, wenn in dieſer Beziehung die Paſtoren nicht allen Fleiß und Eifer zeigen. Daß Luther von der Nothwendigkeit der Gemeindeſchulen überzeugt geweſen iſt, ſieht man beſonders aus zweien ſeiner Schriften. Es ſind dies die Schrift: „An die Rathsherren aller Städte Deutſchland, daß ſie chriſt⸗ liche Schulen aufrichten und halten ſollen“, vom Jahre 1524, und die ge⸗ waltige Predigt: „Daß man Kinder zur Schulen halten ſolle“, vom Jahre 1530. Ja, ſchon 1518 in den Zehn Geboten, dem Volk zu Wittenberg ge⸗ predigt, ſchreibt Luther: *) Protokoll des Secretärs, Prof. A. Ernſt.