# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1858_S211 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der Beförderung der Pastoren. 211 sänge, sowie ein Verzeichniß der Psalmen nach den Tönen, in welchen sie gesungen werden. Was die Gemeinde zu singen hat, ist vierstimmig für die Orgel ausgesetzt. Die Weisen und Harmonieen sind die ursprünglichen. Der Umfang ist XIV und 84 Seiten. Von der Beförderung der Pastoren. (Aus Joh. Ludw. Hartmanns *) Pastorale Evangelicum, Nürnberg, 1697, übersetzt von Conr. G. Schid.) Wenn man fragt: ob ein Diener am Worte sein Amt und seine Gemeinde, der er zuerst seine Arbeit gewidmet hat, im Falle eines ordentlichen Berufes mit gutem Gewissen verlassen und zu einer andern übergehen könne; so ist vorerst zu erinnern, daß zwei Extreme vorsichtig zu vermeiden sind. Denn es giebt solche, welche sich durch das Zuviel versündigen, indem sie sogleich ihre Stelle verändern und eifrig nach einem neuen Neste suchen. Nach der Weise der Speculanten haben sie ihre Pfarreien wie Pferde, jedes Amt ergreifen sie begierig in der Hoffnung auf Vortheil und irdischen Gewinn, wie Geier die Leichen. Gegen sie redet Mathesius mit Ernst in der neunten Predigt über das Leben Christi: „Viel Miethling, Freyer und Höckler giebt's in der Welt, aber wenig treuer Hirten, denn mehrer Theil suchet das seinige, wenig aber was Christi ist. . . . Ein Pfarrherr aber, der oft ändert und wechselt mit den Pfarren, der weiß seine Strafe nicht.“ Daher begehren viele entweder aus Ehrgeiz nach höhern Aemtern, oder sie trachten aus Habsucht und um schändlichen Gewinnes willen nach fetteren Pfründen, oder sie suchen aus verkehrter Zärtlichkeit gegen ihre Frauen neue Stellen, oder sie wünschen aus unbeständiger Leichtfertigkeit den Ort so oft zu verändern als sie können. Andere werden aus Besorgniß für sich und ihre Angelegenheiten, wenn Uebelstände zu gefährlich überhand nehmen, oder die Mißgunst des Volkes zu heftig wird, ihres Amtes überdrüssig und denken auf Veränderung. Auf der andern Seite giebt es solche, welche durch das Zuwenig sich versündigen, und es durchaus für unerlaubt halten, daß ein Diener der Kirche von einer Stelle an eine andere versetzt werde. Daher hört man entgegengesetzte Meinungen, so oft Veränderungen der Art vorkommen. Denn einige halten in guter Meinung den ersten ordentlichen Beruf vor, andere bestehen darauf, daß es allein Gott bekannt sei, wo aus der Saat der Predigt eine reichere Ernte und Erbauung zu hoffen sei. Ja, meistens weiß der neue, erst berufene Prediger selbst sich nicht zu halten, daß er nicht in mannigfache Klippen ängstlicher Sorge gerathe, von denen er leicht so eingeengt wird, daß er keinen Ausweg sieht. Denn bald denkt *) Doctor der Theologie und Superintendent zu Rotenburg in Würtemberg, der zu Wittenberg und Straßburg studirt hat, geboren 1640, gestorben 1684.