# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 46 — Bei der Beſprechung dieſer Sache ſtellte es ſich ſogleich heraus, daß faſt allgemein die verſammelten Delegaten die Errichtung Einer großen deutſchen, über die ganzen Vereinigten Staaten und Canada verbreiteten General⸗ ſynode für unpraktiſch, hinderlich und unausführbar hielten. Wohl be⸗ fürchteten Einige eine noch viel gefährlichere Zerſplitterung, wenn nur Staatenſynoden eingerichtet würden, ohne daß dieſelben dann zuſammen Einen großen kirchenregimentlichen Körper bildeten. Allein dagegen wurde darauf hingewieſen, daß wir weit davon entfernt ſind, mit den Papiſten zu glauben, daß es nur dann legitime Particularkörperſchaften geben könne, wenn dieſelben alle äußerlich unter Einem Kirchenregiment oder gar unter Einem Haupt vereinigt ſeien. Dazu lehre die Kirchengeſchichte, wenn man die äußere Verbindung zu ſehr betone und zu ſehr darauf dringe, daß alles unter Ein Kirchenregiment concentrirt werde, ſo ſei ein falſcher Geiſt auf⸗ gekommen. Auch ſei der Koſtenpunkt wohl in Anſchlag zu bringen. Welche Summen Geldes würden nöthig ſein, eine ſolche Generalſynode aller Staaten⸗ ſynoden mit Delegaten zu beſchicken! In Deutſchland gebe es nur Landes⸗ ſynoden. Hier würde eine ſolche Generalſynode ein Terrain umfaſſen, welches größer, als ganz Europa, wäre. Wir ſind, wurde erklärt, nicht gegen irgend eine Vereinigung aller ein⸗ zelnen rechtgläubigen Synoden. Dazu haben wir ja die Synodalconferenz. Gerade das iſt ein großer Fehler in Deutſchland, daß die verſchiedenen Landes⸗ ſynoden nie zuſammenkamen, wo ſie ſich gegenſeitig ſtärken und ein Körper den anderen um Hülfe anrufen konnte. Aber man glaube nur ja nicht, daß ein gedeihlicher Zuſtand der lutheriſchen Kirche nicht anders möglich ſei, als wenn ſie einen impoſanten äußerlichen Geſammtkörper mit kirchenregiment⸗ licher Jurisdiction bilde. Im Gegentheil wäre dies dem Gedeihen der Kirche nur hinderlich. Ein ſolches Geſammtregiment kann nur ſehr wenig wirken, da der Körper überaus ſchwerfällig wird. Man denke nur, was für eine Synode das in fünfzig Jahren ſein würde, wenn Gott uns nicht im Zorn verläßt. Der Präſes einer ſolchen Generalſynode würde ſchließlich für das Ganze ſo viel wie nichts thun können. Wohl ſchiene es, einen Generalpräſes an der Spitze, als ob Ein Pulsſchlag durch alles hindurch ginge, und doch wäre es nicht der Fall. Wir haben uns daher laut § III. unſerer Con⸗ ſtitution als das für die Synodalconferenz anzuſtrebende Ziel nur gedacht „eine Vereinigung aller lutheriſchen Synoden Amerika's zu Einer recht⸗ gläubigen amerikaniſchen Kirche“, nicht Synode. Die bei dieſer Debatte geſtellte erſte Frage: Iſt das von der Synodalconferenz zu erſtrebende Ziel: die Vereinigung aller Synoden zu Einem Synodalkörper, zu Einer General⸗ ſynode von Nord⸗Amerika? wurde hierauf einſtimmig mit Nein beantwortet. Eine ganz andere Frage iſt die zweite: Wollen wir Staatenſynoden an⸗ ſtreben? Es hat ſich dies die Conferenz ſchon in ihrer Conſtitution zum Ziel geſteckt, wenn es § III. heißt: „Anſtrebung einer Abgrenzung der Synoden nach territorialer Grenze, vorausgeſetzt, daß die Sprache nicht ſcheidet.“