# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1876_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 42 — auch wirklich die Abſicht hat, das Amt einem zu geben, und dabei etwas thut, das ſie nicht thun ſollte, ſich deſſen aber ſpäterhin bewußt wird, ſo iſt ein ſolcher Berufener in der That nur ein Laie (theologiſch angeſehen) geweſen. Denn er war nicht als ein ſolcher Mann berufen, als den ihn Gott berufen haben will. Wir haben feſtzuhalten, wer unmittelbar von Gott berufen wurde, der konnte auf eine Zeitlang berufen werden, wie Jonas nur dazu berufen wurde, nach Ninive zu gehn und dort Buße zu predigen. Jetzt aber, da nur mittelbar berufen wird, iſt ein zeitweiliger Beruf nicht ſtatthaft, ſondern wir müſſen für ſo lange Zeit berufen, als es Gott gefällt. Das Weſentliche eines Berufes liegt darin, daß Jemand das öffentliche Amt in einer beſtimmten Ortsgemeinde von Gemeinſchafts wegen verwalte. Es kann auch wohl einer als Vicar einer ganzen Landeskirche berufen werden, mit dem Beding, daß er überall, wo ein Prediger krank werde, ihm aushelfe. Ein ſolcher zieht bald dahin, bald dorthin, wo er gerade nöthig iſt. Das Recht⸗ mäßige ſeines Berufes liegt aber nicht in dem zeitweiligen Aushelfen, ſondern in dem perennen Beruf von der ganzen Kirche, dies immer zu thun. So kann auch eine Synode als eine ganze Körperſchaft einen Prediger unter der Bedingung berufen, daß er aushelfe, wo es nöthig ſei, und ein ſolcher könnte in der ganzen Welt umherziehen, nur dürfte er nicht außerhalb der Grenzen ſeiner Synode amtiren. Das Predigtamt bildet einen Lebensberuf für beſtimmte Perſonen, die ihn ſo lange ausüben, als ſie das thun, was Gott ihnen heißt. Wie lange einer an einer Gemeinde ſtehen ſoll, das kann man niemals vorher wiſſen, ſondern man hat es Gott zu überlaſſen, der es durch ſpäter eintretende Ver⸗ hältniſſe offenbar macht, wie lange es geſchehen ſoll. Es iſt blos ein for⸗ meller Unterſchied, wenn ein zeitweilig Berufener nach Ablauf ſeiner Zeit noch länger Paſtor bleiben und eine andere Gemeinde übernehmen will, oder ſpäterhin Steine klopft. Daß aber eine ganze Synode Macht hat, einen Prediger zu berufen, geht daraus hervor, daß eine Einzelgemeinde Macht hat, einen Katecheten, einen Nachmittags⸗ oder einen ſogenannten Gottesacker⸗Prediger anzuſtellen; ſo hat denn, wenn alle Gemeinden zu Einer Körperſchaft zuſammentreten, das Ganze dieſelbe Macht, eine Perſon zu berufen, als der einzelne Theil, kann daher auch einen Mann für gewiſſe Arbeiten anſtellen. Ein ſolcher arbeitet dann als ein von der ganzen Sy⸗ node Berufener. So iſt es Recht, wenn man in der baieriſchen Landeskirche Vicare für kranke Paſtoren anſtellt. Hat ein ſolcher keine Stelle, weil kein Krankheitsfall eingetreten iſt, ſo wird er doch unterhalten, denn er ſteht im Dienſt der ganzen Kirche, und dies involvirt die Verpflichtung, ihm auch ſein Brod zu geben. Kein Prediger ſoll etwas anderes treiben, um ſich ſein Brod zu verſchaffen. Gibt eine Gemeinde ihrem Prediger ſeinen Lebensunterhalt nicht, wenn ſie es doch könnte, ſo begeht ſie eine gottloſe Handlung, wofür ſie Gott ſchwer ſtrafen wird. Chriſtus will, daß ſeine Prediger im Amt ihr Brod haben, damit ſie nicht durch Sorgen der Nahrung in Verſuchung ge⸗